Moin, Betti,
"Notnagel Schweiz", da musste ich gleich an meinen Vater denken, der uns Rabauken immer dann, wenn es ihm zuhause zu viel mit uns wurde, gesagt hat, wir wären noch "der letzte Nagel zu seinem Sarg"... Gut, dass Du mal dieses Tabuthema ansprichst, dass ja auch irgendwie einen "psychischen Juckreiz" verursachen kann.
Aber mal im Ernst: In die Schweiz muss wegen eines sogenannten "assistierten Suizids" seit 2020 niemand mehr fahren. Mal ganz abgesehen, dass dafür nicht nur ein großes Auto notwendig ist (wolltest Du da etwa als Verblichene im Kofferraum zurück nach Deutschland fahren?), sondern jede Menge Euronen. Unter 10.000-15.000 Euro ist das nämlich z.B. bei Dignitas aktuell nicht zu machen, und die Mitgliedsbeiträge sind auch nicht gerade billig. Sterben kostet in der Schweiz also nicht nur das Leben, sondern richtig viele Moneten...
2020 hat das Bundesverfassungsgericht den damals geltenden § 217 StGB für verfassungswidrig erklärt (danke, Herr Voßkuhle), seitdem ist allein die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen das entscheidende Kriterium, ob man einen assistierten Suizid in Anspruch nehmen darf (eine aktive Sterbehilfe ist weiterhin verboten, zurecht, wie ich finde). Damit sind auch Vereine zur sogenannten Freitodbegleitung - das klingt wirklich schöner - in Deutschland zugelassen.
Ich selbst bin seit vielen Jahren Mitglied in der "Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS)", näheres findest Du unter
www.dghs.de/
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Ich weiß ja nicht, was das MM noch so mit mir vorhat, und für mich ist das eine psychische Entlastung, so wie bei vielen MM-KollegInnen, die mir sagen: "Vor dem Tod habe ich keine Angst, aber vor dem Sterben". Kann sich ja hinziehen, das Ganze, auch mit richtig vielen Schmerzen.
Wenn man 6 Monate Mitglied im DGHS ist (Beitrag aktuell: 60 Euro, für sozial Schwache auf Nachweis 25 Euro), hat man das Anrecht auf eine Freitodbegleitung erworben. Aber auch die ist hier nicht umsonst, momentan fallen Kosten von 4.000 Euro an. Allerdings gibt es einen Sozialfond für Härtefälle.
2024 wurden 623 Mitglieder vom DGHS auf ihrem letzten Weg begleitet. Bei einer Mitgliedsanzahl von momentan 38.000 sind das nicht viele, also kann man wohl davon ausgehen, dass die meisten den Verein tatsächlich als "Notnagel" für den Fall der Fälle sehen. Und entweder anders sterben oder vorerst mal nicht. Die offiziellen Suizidzahlen in Deutschland sind im übrigen ca. 10.000 im Jahr, und das Jahr für Jahr. Die armen Zugführer...
Die DGHS sieht ihr Angebot im übrigen als gleichwertig zur Palliativversorgung, es soll keine Konkurrenz zwischen diesen beiden Möglichkeiten geben. Finde ich gut, muss ja jeder selbst für sich entscheiden, wie er sein Lebensende gestalten möchte, wenn er kann.
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