Zum Hauptinhalt springen
28 Mai 2025 17:47
  • betti52
  • Autor
  • Offline
  • 644 Beiträge seit
    19 September 2023
Mehr
Hallo!

Mit der aktiven Sterbehilfe bin ich auch nicht so dafuer, wie @Callosum62.
Viele Sprichworte: jeder ist sich selbst der naechste; bei Geld hoert
jede Freundschaft auf; usw.

Mit der Bestattungsvollmacht hoert sich gut an.
Vielleicht fange ich aber erstmal mit einer Bestattungsmappe
an. Einen Bestatter zu bevollmaechtigen, das hoert sich vom
wording her so bischen abschreckend an - finde ich.
So nach dem Motto, ich bevollmaechtige sie, mich abzumurksen.
Neee, klar, so ist das mit der Bestattungsvollmacht nicht gemeint,
ich weiss.

Aber hinmarschieren werde ich auf jeden Fall mal.

Allen alles Gute.

Gruss, Bettina

28 Mai 2025 16:27
  • Callosum62
  • Offline
  • 250 Beiträge seit
    18 September 2023
Mehr
Moin, Betti und Ibi,

d'accord für die Wichtigkeit, sich mit dem eigenen Leben und Tod auseinanderzusetzen. Wird in Deutschland nicht gerne gemacht, mein alter englischer Professor hat mal gesagt, die Deutschen mögen es halt nicht, wenn man etwas nicht kontrollieren kann. Tja. M.E. steckt da vielleicht auch noch so eine Art "magisches Denken" dahinter - das Thema ist so angstbesetzt, dass viele Leute dem argen Schnitter oder dem Schicksal da mal lieber keinen Wink geben oder es gar herausfordern möchten. Deswegen haben viele Deutsche auch kein Testament oder keinen Organspenderausweis, obwohl sie in Umfragen es alle für wichtig halten.
Für meine 88-jährige Mutter haben wir vor 5 Jahren gemeinsam mit ihr eine sogenannte Bestattungsvollmacht für einen Beerdigungsunternehmer erteilt. Der hat dann eine Mappe, in der alle notwendigen Papiere - und das sind nicht wenige, von der Geburtsurkunde bis zum Totenschein meines Vaters - gesammelt bei ihm aufgehoben werden. Außerdem wurde festgelegt, wie und wo sie bestattet werden will. Was wir nicht gemacht haben, ist das Anlegen eines finanziellen Treuhandkontos für die Beerdigung, aber das ist auch nicht notwendig, weil meine Mutter genügend Kinder hat, die sich kümmern können und das bezahlen werden.
Kleine Anekdote: Nach dem Termin meinte meine damals 84-jährige, schon etwas tüdelige Mutter: "Das habe ich doch jetzt cool gemacht, oder?

@ Ibi: Im Hinblick auf die aktive Sterbehilfe bin ich weiterhin skeptisch, weil damit sehr viel Missbrauch betrieben werden kann. Bei den Riesenvermögen, die in den nächsten Jahren vererbt werden können, sinkt da vielleicht auch mal die ein oder andere Hemmschwelle, und auch Ärzte können korrupt sein. Außerdem wird das politisch in Deutschland nicht durchsetzbar sein, und wenn man das Fass jetzt aufmacht, riskiert man vielleicht auch noch die jetzige, sehr liberale Regel beim assistierten Suizid.
Beim assistierten Suizid muss man sowieso geistig noch zustimmungsfähig sein, und außer beim Locked-In-Syndrom gibt es m.E. kaum körperliche Behinderungen, die so stark sind, dass man nicht noch eine Infusion selbst einleiten könnte (eben auf einen Knopf am Infusiomaten drücken). Aber das ist nur meine Meinung.

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

28 Mai 2025 15:56
  • betti52
  • Autor
  • Offline
  • 644 Beiträge seit
    19 September 2023
Mehr
Hallo!

Danke Euch allen fuer die Ersatz-Schweiz-Infos.
Also keine Sorge, dass es mich da unmittelbar sofort hinzieht,
aber ich finde es auch fuer mich selber wichtig, sich mal mit
dem Thema beschaeftigt zu haben.

Ich werde glaube ich auchmal einen Termin bei einem
Beerdigungsunternehmen machen und besprechen, was
man alles schon zu Lebzeiten festlegen kann.
Wie gesagt, nicht, dass ich vorhabe, jetzt die Kurve zu kratzen,
aber man entlastet ja mit sowas auch diejenigen, die sich
dann ja irgendwann mal drum kuemmern muessen, einen
unter die Erde zu kriegen.

Allen alles Gute.

Gruss, Bettina

  • Ibi
  • Offline
  • 172 Beiträge seit
    17 März 2025
Mehr
Hallo Bettina,
Es gibt in DE mittlerweile wohl 3 Vereine die Hilfe anbieten, wenn man nicht mehr weiterleben möchte:
Verein Deutsche Gesell­schaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V. in Berlin, Dignitas-Deutsch­land e. V. in Hannover und der Verein Sterbe­hilfe in Hamburg.
Man kann dort auch die Patientenverfügung hinterlegen, so dass im Zweifel jeder Arzt sie abrufen kann.
Dass aktive Sterbehilfe in DE weiterhin verboten bleibt, finde ich persönlich nicht richtig, denn ich meine dass es diskriminierend ist ggü, Behinderten (z.B. Querschnittsgelähmten) sehr schwachen Menschen oder Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung (welche auch immer) nicht mehr schlucken können. Diese Leute beim Nehmen eines tödlichen Medikaments zu helfen (weil sie es selber nicht nehmen können) bleibt leider strafbar.
Hier findet man noch einige Informationen: www.test.de/Sterbehilfe-Was-in-Deutschla...laubt-ist-5559399-0/

Ich finde es auch richtig, dass man sich damit befasst, auch wenn man darüber natürlich nicht nachdenken möchte. Aber es sollte sich wahrscheinlich jeder (auch die die momentan nicht krank sind) mal Gedanken darüber machen und alles regeln bevor es wirklich ernst wird. Aber wer möchte das schon….
Wenn dann alles mal geregelt ist, kann man auch ruhiger und gelassener mit bestimmten Themen umgehen, vieles auch leichter akzeptieren und wie Callosum schreibt, es beruhigt die Psyche ungemein. Und das ist sehr wichtig! Ich finde, zu wissen „man könnte, wenn man wollte“ ist beruhigend aber genauso beruhigend ist, dass man sich dann, wenn es mal festgelegt wurde, das Thema „vergessen“ und sich voll auf das Leben konzentrieren kann. Die schöne Dingen, die einem (noch sehr lange) bleiben, die liebe Menschen, die einem begegnen und die wunderbare Erlebnisse die man noch vor sich hat, das alles zu genießen ist so wichtig!
Und die Zeit zum Genießen wird bei MM Patienten dank der intensiven Forschung und die neuen Behandlungen auch immer länger!
Es gibt mittlerweile viele Behandlungen, viele Alternativen und Möglichkeiten. Man sollte aber den Ärzten auch klar machen was erträglich ist und was nicht, denn das können die von sich aus nicht wissen und beurteilen und da ist auch jeder Patient anders.
Ich weiss wie mein Mann unter dem Juckreiz und Ausschlag gelitten hat, körperlich und seelisch und ich sehe auch wieviel besser es ihm jetzt geht. Nach vielen Monate ist die Haut fast geheilt und er schaut wieder positiv in die Zukunft! Man muss wirklich nicht alles (zu lange) ertragen oder alleine tragen, auch dafür sind die Ärzte da! Es gibt bestimmt was, was man tun kann.

Alles alles Gute,
Liebe Grüße
Ibi

Liebe Grüße
Ibi

28 Mai 2025 09:29
  • Callosum62
  • Offline
  • 250 Beiträge seit
    18 September 2023
Mehr
Moin, Betti,

"Notnagel Schweiz", da musste ich gleich an meinen Vater denken, der uns Rabauken immer dann, wenn es ihm zuhause zu viel mit uns wurde, gesagt hat, wir wären noch "der letzte Nagel zu seinem Sarg"... Gut, dass Du mal dieses Tabuthema ansprichst, dass ja auch irgendwie einen "psychischen Juckreiz" verursachen kann.

Aber mal im Ernst: In die Schweiz muss wegen eines sogenannten "assistierten Suizids" seit 2020 niemand mehr fahren. Mal ganz abgesehen, dass dafür nicht nur ein großes Auto notwendig ist (wolltest Du da etwa als Verblichene im Kofferraum zurück nach Deutschland fahren?), sondern jede Menge Euronen. Unter 10.000-15.000 Euro ist das nämlich z.B. bei Dignitas aktuell nicht zu machen, und die Mitgliedsbeiträge sind auch nicht gerade billig. Sterben kostet in der Schweiz also nicht nur das Leben, sondern richtig viele Moneten...

2020 hat das Bundesverfassungsgericht den damals geltenden § 217 StGB für verfassungswidrig erklärt (danke, Herr Voßkuhle), seitdem ist allein die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen das entscheidende Kriterium, ob man einen assistierten Suizid in Anspruch nehmen darf (eine aktive Sterbehilfe ist weiterhin verboten, zurecht, wie ich finde). Damit sind auch Vereine zur sogenannten Freitodbegleitung - das klingt wirklich schöner - in Deutschland zugelassen.
Ich selbst bin seit vielen Jahren Mitglied in der "Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS)", näheres findest Du unter www.dghs.de/ .
Ich weiß ja nicht, was das MM noch so mit mir vorhat, und für mich ist das eine psychische Entlastung, so wie bei vielen MM-KollegInnen, die mir sagen: "Vor dem Tod habe ich keine Angst, aber vor dem Sterben". Kann sich ja hinziehen, das Ganze, auch mit richtig vielen Schmerzen.
Wenn man 6 Monate Mitglied im DGHS ist (Beitrag aktuell: 60 Euro, für sozial Schwache auf Nachweis 25 Euro), hat man das Anrecht auf eine Freitodbegleitung erworben. Aber auch die ist hier nicht umsonst, momentan fallen Kosten von 4.000 Euro an. Allerdings gibt es einen Sozialfond für Härtefälle.
2024 wurden 623 Mitglieder vom DGHS auf ihrem letzten Weg begleitet. Bei einer Mitgliedsanzahl von momentan 38.000 sind das nicht viele, also kann man wohl davon ausgehen, dass die meisten den Verein tatsächlich als "Notnagel" für den Fall der Fälle sehen. Und entweder anders sterben oder vorerst mal nicht. Die offiziellen Suizidzahlen in Deutschland sind im übrigen ca. 10.000 im Jahr, und das Jahr für Jahr. Die armen Zugführer...
Die DGHS sieht ihr Angebot im übrigen als gleichwertig zur Palliativversorgung, es soll keine Konkurrenz zwischen diesen beiden Möglichkeiten geben. Finde ich gut, muss ja jeder selbst für sich entscheiden, wie er sein Lebensende gestalten möchte, wenn er kann.


.

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

  • Sunny
  • Offline
  • 578 Beiträge seit
    07 Januar 2024
Mehr
Hallo Bettina,

du sprichst ein Thema an, mit dem sich die wenigsten auseinandersetzen wollen und wenn es dann soweit ist, ist es oft zu spät weil es die besagten Wartezeiten gibt. Die sind dafür da, dass der Wunsch zu sterben nicht schwanken darf und man sich nicht nur plötzlich aufgrund eines akuten Zustands dafür entscheidet. Unsere gesamte Familie ist schon seit einiger Zeit Mitglied in einem Verein für begleitetes humanes sterben, nachdem wir gelesen haben, welch schweren Weg man am Ende des Verlaufs der Krankheit manchmal gehen muss. Niemand möchte sowas durchmachen müssen und ich finde es gut, dass man Hilfe in Anspruch nehmen kann, wenn man den Punkt erreicht, wo man es nicht mehr ertragen kann.

Du bist davon aber noch weit entfernt, aber ich kann verstehen, dass einem der Juckreiz in den Wahnsinn treiben kann. Anscheinend wird es ja bereits etwas besser und ich hoffe das geht weiter so. Ansonsten würde ich einstweilen an deiner Stelle auch alle möglichen Hausmittel und die Komplementärmedizin rauf- und runterprobieren, bis vielleicht doch etwas hilft.

Ich hatte mal über ein Jahr lang permanent scheußlich brennende Schmerzen am Fuß, bin deshalb zu allen verschiedenen Ärzten gegangen, keiner wusste wo das herkam und haben rumprobiert was helfen könnte. Ich habe sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch alles mögliche ausprobiert, hab jedes empfohlene Haus- und Naturheilmittel genommen, was mir jemand empfohlen hat - nichts wirkte. Vor ca. 2 Monaten hatte dann ein Familienmitglied noch eine Idee und tatatataaa, nach ein paar Tagen wurde es leichter und war nach zwei Wochen komplett weg.

Damit will ich sagen, auch wenn man meint es hilft nichts mehr, kann es trotzdem noch Möglichkeiten geben und man darf nicht aufgeben danach zu suchen.

Ich wünsch dir alles Gute, liebe Grüße,
Sunny

Genieße deine Zeit, denn du lebst jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher als du denkst.