Hallo, Sevil,
ich rate sehr dazu, mindestens einmal im Jahr ein Ganzkörper-CT durchführen zu lassen. In der Uniklinik Erlangen nennt man das "Plasmo-CT", 3 Minuten und zack. Wenn man eine Osteolyse erst "spürt", also diese dann wohl symptomatisch geworden ist, dann ist es nämlich schon zu spät. Dann ist schon viel Schaden angerichtet. Prof. Knop aus Nürnberg hat bei uns in der SHG mal referiert, dass ernstzunehmende Osteolysen sich innerhalb von 3 Monaten entwickeln können. Da ist dann sogar das Jahres-Intervall eines CT manchmal zu grob.
Bei mir persönlich wurde am 15. Mai in einem solchen Plasmo-CT eine neue Osteolyse am Schädel festgestellt, so 1-2 cm groß. Macht gar keine Symptome. Die Blutwerte waren so lala, aber nur wegen der noch tolerablen Leichtkettenerhöhung hätten die Ärzte nichts weiter gemacht. Mit der neuen Osteolyse ist aber jetzt ein CRAB-Kriterium erfüllt (nämlich C), Blutwerte hin, Blutwerte her, also: Ein Rezidiv ist definitiv da, und es ist unter Lenalidomid aufgetreten, ich bin also jetzt Lenalidomid-refraktär. Ja, das macht keinen Spaß, aber ich bin froh, dass sie es diesmal frühzeitig entdeckt haben. Für die Diagnose MM haben sie über ein Jahr gebraucht, und das hat natürlich riesigen Schaden angerichtet in der Zeit. Ohne das Kontroll-CT wäre das nicht so, und ich würde mich weiterhin über eine Remission freuen können, was natürlich in diesem Fall gefährlich ist. Denn wenn das MM mal aufwacht, dann bleibt eine Osteolyse selten allein. Kann natürlich Monate dauern, das Geknusper am Knochen, aber am Ende ist der Lochfraß da. Und die Niere mag das auch gar nicht.
Was passiert jetzt weiter bei mir? Erstmal konnte ich Lenalidomid absetzen - funzt ja nicht mehr. Vermissen tue ich das Zeug nicht, aber ich bin dankbar, dass es fast 7 Jahre lang gewirkt hat. Dann: Worauf warten, das muss schnell behandelt werden. Diagnose am 15.05.2024, am 21.05.2024 schon in der Uniklinik mit DKd, also Daratumumab, Carfilzomib, Dexamethason, erstmal, um das MM zur Ruhe zu bringen. Und jetzt wieder monatlich Bondronat. Die Therapie schlägt sehr gut an, die LK sind schon nach einem Zyklus (4 Wochen) im Normbereich. Jetzt wird DKd in ein Bridging überführt, der Kostenübernahmeantrag bei der Kasse für Cilta-cel in der Zweitlinie läuft.
Meine Meinung: Das MM ist ein hinterhältiges Biest, das einer beständigen Kontrolle bedarf, es gilt also, auch auf der langen Strecke wachsam zu bleiben und sich nicht in der trügerischen Sicherheit einer längeren Remissionszeit zu wiegen. Das heißt natürlich nicht, dass man sich jeden Tag durchleuchten lassen muss, aber von Zeit zu Zeit ist das schon angebracht. Im Post ASCO/EHA Vortrag diese Woche hat Dr. Mai aus Heidelberg nochmal darauf hingewiesen: Statistisch bekommen mehr als 95 % der MM-Patienten ein Rezidiv. Ich würde mal sagen: Wer gerne glauben will, bei den 5 % der lucky mm-guys dabei sein zu können, der spielt auch im Lotto oder reibt an einer Wunderlampe...
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)