2. THERAPIEN FÜR NDMM
Die wichtigsten Fragen sind
* 3-fach oder 4-fach Induktion?
* 0, 1 oder 2 HD/SZT?
Je nach Alter des Patienten, CRAB-SLIM, Hochrisikogenetik, Verfügbarkeit von Medikamenten und Wunsch des Patienten würde die Therapie entschieden.
Der Trend geht in Richtung 4-fach Induktion:
1. IMID Immunmodulator: Lenolidamid, Thalidomid, Pomalidomid
2. PI Proteasom-Inhibitor: Bortezomib, Carfilzomib
3. Monoklonaler Anti-CD38 Antikörper: Daratumumab, Isatuximab
4. Kortikosteroid: Dexamethason
Für transplantierbare Standardrisikopatienten würde noch 1 HD/SZT durchgeführt werden. In Amerika wollen viele die Stammzellen sammeln und beim ersten Rezidiv HD/SZT einsetzen. Bei Hochrisikopatienten vielleicht auch nur 1 HD/SZT, da die 4-fach Induktion sehr gut sein soll.
Bei nicht transplantierbaren Patienten 4-fach Therapie.
Ich sehe neue Algorithmen, aber warten wir ab, wie sich die Leitlinien in Deutschland entwickeln.
www.leitlinienprogramm-onkologie.de/file..._Kurzversion_1.0.pdf
3. SEQUENZIERUNG DER THERAPIEN
Dazu habe ich schon einiges geschrieben. Nach 4-facher Induktion und HD/SZT ist man beim ersten Residiv schon 3-facher Refräkter. Das wäre bei mir der Fall, wenn ich jetzt ein Residiv hätte. Ich wäre refräkter gegen IMID, PI und CD-38 monoklonal Ab.
Welche Möglichkeiten gibt es dann? Immuntherapien (CAR-T und BsAbs), Selinexor, Belantamab und vielleicht einige Medikamente, die nicht so häufig eingesetzt werden, z.B. Elotuzumab, Melflufan, Cyclophosphamid. Dann gibt es natürlich noch VTD-PACE. Es wird langsam wie Dart spielen 🎯 Aber es ist toll, dass es all diese Möglichkeiten gibt!
Wenn man bereits eine Immuntherapie begonnen hat und erneut ein Residiv auftritt, ist es sinnvoll, bei der nächsten Therapie das Zielmolekül zu ändern (z.B. von GPRC5D auf BCMA). Man spricht auch von einer Änderung der Wirkungsweise (Mode of Action, MoA). Ich möchte das etwas besser verstehen, bevor ich hier etwas Falsches sage.
4. PERSONALISIERUNG DER THERAPIEN
Jedes Mal, wenn unsere Ärzte sich für eine Therapie entscheiden, ist sie für uns bereits personalisiert. Es wird nur komplizierter, aber hoffentlich besser. Es geht darum, Patienten so zu behandeln, wie sie es brauchen, nicht über- oder unterbehandelt zu werden.
Wie Sequenzierung, auch hier sind Patientenprofil (Alter, Fitness, Komorbiditäten, usw.), MM-Profil (Zytogenetik, Residiv, usw.) und bisherige Therapien wichtig.
Vielleicht wird eines Tages die Therapieentscheidung durch KI unterstützt. Das wäre eine gute Anwendung von KI.
Vielleicht werden die Therapien in Zukunft auch besser gezielt sein.
5. MRD
Es gibt Diskussionen über 10^-5, 10^-6 oder 10^-7. Blut-MRD, KM-MRD, PET-MRD. Neue Technologien. Die Entwicklung ist sehr gut.
Aber... es ist anscheinend fast ein politisches Thema geworden. Ich denke ich verstehe jetzt besser warum.
Ich habe bereits geschrieben, dass die Verwendung von MRD als Surrogat-Endpunkt in Studien von ODAC bestätigt wurde. Es gibt dazu ein Video auf YouTube:
m.youtube.com/watch?v=pooME9gMaL0
Ich habe nur einen kurzen Teil gesehen, die Redner für/gegen MRD ab 4:45:00. Die Entscheidung der FDA kommt nach der Entscheidung der ODAC.
Was bedeutet das für uns Patientinnen und Patienten? Schnelle Entwicklung neuer Medikamente. Das ist großartig! Auf der anderen Seite könnte es auch bedeuten, dass viele nicht ausreichend getestete Medikamente auf den Markt kommen. Hoffentlich nicht!
Meiner Meinung nach wird es wichtig sein, wachsam zu bleiben, weiterhin Erfahrungen auszutauschen und die Patientenvertretung in der Forschung zu unterstützen. Damit meine ich nicht nur als Probanden, was ich auch mache und was gut ist, z.B. PROs (Patient Reported Outcomes, Von Patienten berichtete Ergebnisse) unterstützen.
Ich finde MRD ist ein gutes Mittel und ich hoffe es wird richtig umgesetzt.