Hallo, Jupitermond Ganymed,
danke für Deine Buchempfehlung. Ich habe das Buch schon letzte Sommer gelesen (ist ja 2022 erschienen), und ja: Humor kann sehr helfen, auf jeden Fall kann es damit gelingen, einen gewissen heilsamen Abstand zum Geschehen zu bekommen.
Über den Sorgerechtsstreit vom Stefan Schwarz, der wohl ein wenig ein Womanizer unter dem Herrn ist (war?), kann man nur den Kopf schütteln, aber der Untertitel des Buches ist ja: "Wie ich Krebs bekam und mein Leben aufräumte". Tja. Neben tiefsinnigen Betrachtungen über Leben, das Universum und den ganzen Rest finden wir viel schwarzen Humor und Selbstironie, also die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können. Auch die anschaulichen Schilderungen der Diagnoseprozeduren, der Ärzte und der Behandlungen haben mir viel Spaß gemacht.
Eine meiner Lieblingsstellen ist der für mich wirklich gut nachvollziehbare Bericht seiner Knochenmarkpunktion ohne Betäubung (S. 96 ff.): "Drei Sekunden lang gellt meine Stimme nun hinaus in die Welt. In der Mensa gefriert den Studentinnen der Latte macchiato. Den Taxifahrern, die rauchend an ihren Wagen lehnen, zieht sich abrupt das Skrotum zusammen... Die Klinik gilt als ein Institut von Weltruf, aber wenn es hier jemals einen Ruf gegeben hat, der buchstäblich um die ganze Welt zu hallen imstande wäre, dann war es der Ton aus meinem Hals."
Deckt sich mit meinen Erfahrungen; das nächste Mal lasse ich mich vor einer KNP auf jeden Fall ausknipsen.
Gut finde ich auch die Geschichte mit seinem trotz infauster Diagnose (Luftröhrenkrebs im Endstadium) mental unverwüstlichen "Raumteiler" Jo (S. 136 ff., mit gesundem Appetit) während seines stationären Aufenthaltes. Oder die Story von den "einfühlsamen Worte" des Arztes zwei Wochen vor der Hochdosis (S. 182): "Ihr Krebs ist unheilbar", sagt der Arzt. "Sie werden also folglich daran sterben". Gesprächseröffnung nach Dr. Doom. "Vor zwanzig Jahren hätten Sie nach ärztlichem Ermessen noch eine Lebenserwartung von zwei Jahren gehabt." Vor zweitausend Jahren wäre er mit einer Trommel und einem Strauß rauchender Kräuter um mich herumgehopst... Sie werden auch an irgendwas sterben, denke ich lächelnd. Und weder Sie noch ich wissen, woran und wann.
Dr. Doom lässt im weiteren Gesprächsverlauf keine, aber auch wirklich keine Möglichkeit aus, Herrn Schwarz durch Aufzählung aller möglichen Komplikationen fertig zu machen; der durchschaut das Macht-Spielchen aber und dreht den Spieß um: "Ich vertraue Ihnen vollkommen. Wenn mich hier einer durchbringt, dann Sie!... Jetzt weiß ich, ich bin in guten Händen...Nicht jeder Arzt hat immer alles im Blick." Das hat der Doc so nicht erwartet, und ungläubig antwortet er: "Wir geben hier eben unser Bestes." Köstlich.
Für mich unterm Strich also eine klare Leseempfehlung, über manche selbstverliebten Langatmigkeiten habe ich allerdings hinweggeblättert, aber das erlaube ich mir, seit ich mein MM habe bei vielen Büchern...
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)