Hallo, ich bin es nochmal,
der begrenzte Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln im Hinblick auf das Immunsystem ist keine MEINUNG, sondern ein FAKT. Somit ist diese Erkenntnis auch nicht nur eine bloße Behauptung, sondern wissenschaftlich evidenzbasiert. Sollte es diesbezüglich neue Studien geben, die zu einer anderen Erkenntnis kommen, ändere ich gerne meine Einstellung dazu. Natürlich schauen wir sehr auf das, was wir selbst für uns als richtig erkannt haben. Auch in der Wissenschaft sind Einzelfallbeobachtungen sehr wichtig, um neue Hypothesen aufzustellen und diese ggf. zu erforschen. Wir Menschen neigen aber nicht selten dazu, voreilige Schlüsse zu ziehen und Einzelfallbeobachtungen zu stark zu verallgemeinern. In der Psychologie nennt man das auch Übergeneralisierung. Kommen dann noch diverse kognitive Verzerrungen (die wir nun mal alle haben wie z.B. Bestätigungsfehler=Confirmation Bias oder illusorische Korrelationen) ins Spiel, wird es schwierig, offen für evidenzbasierte Erkenntnisse zu bleiben.
Was mir Sorge bereitet: Auch die Lebensmittelindustrie ist schon lange auf den Nahrungsergänzungsmittel-Zug aufgesprungen, und es gibt kaum noch Produkte, die nicht mit künstlich hergestellten Vitaminen oder Mineralstoffen versetzt werden. Da sind knallharte Marketingfachleute am Werk, die damit auch noch die übelsten Zuckerbomben legitimieren, denn das aufgepimpte Zeug verkauft sich prima. Es macht eben ein gutes Gefühl, scheinbar etwas für sein Immunsystem zu tun und hilft auch gegen das schlechte Gewissen beim Einkauf. Die Einführung eines aussagekräftigen Labels für Nährmittel wird in Deutschland von der Politik (und der Lobby der Lebensmittelindustrie) seit Jahrzehnten verhindert. Der freiwillige Nutri-Score ist wenig aussagekräftig. In Chile wird es seit 2016 viel besser gemacht - schau mal unter
www.wir-essen-gesund.de/lebensmittelkennzeichnung-chile/
Ich selbst lasse mir Vitamin D3 und auch Calcium nur als Medizinprodukt verschreiben, also im Herbst/Winter Dekristol 20.000 i.E. und ansonsten Calcimed D3 600mg/400 i.E. Diese Einnahme wurde mir von der Universitätsklinik, in der ich und mein MM behandelt werden, so empfohlen. Medizinprodukte unterliegen einer strengen staatlichen Kontrolle der Herstellungsverfahren und der Inhaltsstoffe, Nahrungsergänzungsmittel nicht.
Zum Thema Toleranz: Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall. So sagt man es im Norden, da bin ich geboren. Jeder sieht also die Sache aus seiner eigenen Perspektive. Damit habe ich kein Problem, und darüber kann man sich ja wunderbar austauschen. Ich bin von meiner Grundeinstellung her sehr liberal (das können meine Kinder bestätigen), aber ich mag es gar nicht, wenn Meinungen verallgemeinert und zu Fakten erklärt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind ja glücklicherweise nicht verboten (ich bin entschieden gegen unnötige Verbote), und jeder, der der Meinung ist, diese würden ihm helfen und sich damit besser fühlt oder es ihm damit besser geht, der kann diese problemlos erwerben und einnehmen, und so soll es m.E. auch in Zukunft sein.