Voller Dankbarkeit blicke ich nun auf sechs Jahre in kompletter Remission zurück und fühle mich privilegiert angesichts eines vergleichsweise milden Krankheitsverlaufes. Ich hoffe, die Lage bleibt so stabil. Eine Erfahrung möchte ich mit euch teilen: So ziemlich alles rund um die Erkrankung war bei mir mit einer überwältigenden Dichte an negativen emotionalen Zuständen verbunden. Es brauchte mehrere Jahre, um mir dessen bewusst zu werden und mich davon zu erholen. Ich spreche von Trauma. Über viele Monate hinweg war der ganze Organismus in einer Notlage und das hinterlässt Spuren auf ganz vielen Ebenen. Mir hat es gut getan, mich im Anschluss an die Behandlung gezielt um meine Erholung zu kümmern - seelisch und körperlich (wobei es vermutlich nicht sinnvoll ist, diese beiden Perspektiven zu trennen, aber das ist ein anderes Thema).
Im Anschluss an die belastende und langwierige Therapie wollte ich zunächst einfach "in Ruhe gelassen" werden und habe diesem Bedürfnis auch viel Zeit gegeben. Danach bin ich aber wieder in Bewegung gekommen und habe angefangen, gesund zu werden (also nicht nur nicht mehr krank zu sein). Auch hier gehöre ich zu den privilegierten PatientInnen, konnte Arbeitszeit reduzieren und mir dennoch Urlaub am Meer, Osteopathie, Faszienbehandlung, hochwertige Ernährung, Bewegungstherapie und Darmsanierung leisten, was meinem Körper unendlich gut gaten hat. Jahrelang anhaltende Neben-/Folgewirkungen haben sich überraschend deutlich verbessert. Spaziergänge in der Natur, Yoga/Meditation und Kampfsport fanden wieder Platz im Wochenverlauf. Sehr wichtig war auch die Verbundenheit mit anderen Menschen, die beim Thema Krebs nicht die Schlappen verlieren, Krankheit und Tod nicht reflexartig vor sich her schieben. Der traumasensible Umgang mit mir selbst hat mir geholfen, meine Lebensqualität nochmals zu verbessern. Soweit das Wort zu diesem Sonntag.
Letzte Änderung: 20 Aug. 2023 09:10 von MyelomaTrier.