Liebe Gisela, Liebe Jeanny,
zunächst nochmal danke für die guten Wünsche für meine weitere Therapie u.s.w.
Wir sollten jetzt mal wieder "runterkommen" mit unseren Emotionen und die "Friedenspfeife" rauchen.
Jeder hat mal seine 5 Minuten in denen er besonders "emotional" hier einen Text reinstellt. Ein paar Tage später relativiert sich manches und man würde es nicht mehr so "vorwurfsvoll" bzw. dramatisch darstellen.
Wo Menschen tätig sind können immer mal Fehler gemacht werden und keiner von uns hat im Laufe seiner beruflichen oder privaten Tätigkeiten nicht schon zig Fehler begangen, das ist ganz normal. Nur aus gemachten Fehlern kann man lernen und die Vorgehensweisen, Abläufe und Prozesse verbessern.
Wenn der Patient mitdenkt und sich einbringt können auch Fehler vermieden werden.
Ich habe zum Beispiel mit 21 Jahren einen leichten Kropf mit eiem kalten Knoten gehabt. In Ulm wurde ich damals operiert und der kalte Knoten wurde entfernt und überflüssiges Schilddrüsengewebe wurde auch noch entfernt. Dann musste ich lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen zur "Rezidivprophylaxe nach Strumaresektion" - wie die Mediziner es sagen.
Bis 2008 habe ich meine L-Thyroxin 100 auch jeden Tag genommen und in den Arztbriefen stand es auch immer drin, daß ich diese nehme.
Ab 2009 habe ich das L-Thyroxin100 dann nur noch sporadisch genommen und Anfang 2010 fast ganz abgesetzt, weil ich spürte, das ich es nicht mehr brauchte. Man nimt ja auch Jodsalz und anderes zu sich wo Jodspuren drin sind.
In Würzburg bei Beginn der Therapie stand in einem Arztbrief von der Nachsorgeuntersuchung in Tübingen, daß ich L-Thyroxin 100 nehme.
Im elektronischen Rezeptverfahren der Klinik WÜ wurde das eingegeben und Morgens war eine Tablette L-Thyroxin in der Box. Ich habe es eingenommen, obwohl ich dem Stationsarzt so nebenbei gesagt habe, daß ich L-Thyroxin seit einem Jahr immer weniger genommen habe (quasi ausgeschlichen habe).
Dann habe ich im ersten Zyklus RAD zweimal Vorhofflimmern bekommen. Mein Hausarzt hat den TSH bestimmen lassen und der war bei 0,2. Das bedeutet Schildrüsenüberfunktion und damit zuviel L-Thyroxin von außen zugegeben.
In Würzburg sprach ich das dann bei Beginn des 2. Zyklus an, das das Vorhoffflimmern eventuell von einer durch zuviel gegebenes L-Thyroxin erzeugten "Schilddrüsenüberfunktion" (TSH Spiegel zu niedrig) kommt.
Am anderen Tag sagte der Stationsarzt, wir schleichen jetzt das L-Thyroxin über 2 Tage aus und geben noch zweimal 20 ug und dann soll ich gar kein L-Thyroxin mehr nehmen. Daraufhin hat sich mein TSH innerhalb von einer Woche normalisiert und ist jetzt schon 6 Monate im Normbereich - ich benötige also wirklich kein L-Thyroxin mehr.
Hätte ich nichts gesagt und mich nicht selbst gekümmert, dann hätte ich noch Monate jeden Morgen L-Thyroxin 100 bekommen.
Eine offizielle TSH Prüfung stand erst nach dem 4. Zyklus RAD im Studienprotokoll. Erst dann wäre es eventuell festgestellt worden, hätte ich nicht schon im ersten Zyklus darauf aufmerksam gemacht.
Das war jetzt ein Beispiel wie komplex und schwierig eine Medikamentenverabreichung sein kann.
Es ist auch ein Beispiel warum es schief laufen kann, weil die meisten Patienten sich nicht drum kümmern was sie verschrieben bekommen. Sie schlucken es einfach und denken es muß so schon richtig sein.
Deshalb ist eine gute Kommunikation zwischen Patient und Arzt auch wichtig. Man muß ehrlich miteinander umgehen und auch dem Arzt sagen wenn man ein Medikament absichtlich oder aus Vergesslichkeit nicht eingenommen hat. Man muß aber auch kritisch hinterfragen, warum man jetzt plötzlich zum Beispiel Lebenslang täglich neue Medikamente einnehmen soll. Man will es als Patient am Anfang nicht immer einsehen, das man die Medis einnehmen soll. Aber eine gute Aufklärung kann da Überzeugungsarbeit leisten.
Kräftiger Zug aus der Friedenspfeife und weiterreich --->