Hallo Kuni,
wie die beiden anderen schon geschrieben haben, gibt es keine Notwendigkeit für eine sofortige Behandlung und es ist wirklich vollkommen normal, dass das alles etwa Zeit braucht.
Deine Besorgtheit kann ich absolut nachvollziehen, uns ging es damals auch so. Du hast das Gefühl eine tickende Zeitbombe in dir zu haben und keiner macht was…Das ist sicher nicht schön, aber gibt auch etwas Zeit Informationen zu sammeln, 2. Meinung einzuholen und dich letztendlich mit der Krankheit „abzufinden“. So unschön das auch ist, aber mit den modernen Therapien ist ein langes progressionsfreies Leben in guter Lebensqualität sehr gut möglich. Die von dir erwähnte Therapie ist für die meisten auch relativ Nebenwirkungsarm und, bis auf die HD mit autologe (ASZT), auch gut im „normalen“ Leben zu integrieren.
Bei meinem Mann war es auch so, dass er bei der Diagnose keine CRAB/SLIM Kriterien erfüllt hat, aber durch die sehr hohen Leichtkettenzahl ist der Proteingehalt im Blut immer höher angestiegen und das Blut wurde dadurch zu dickflüssig (Hyperviskosität). Das sollte regelmäßig kontrolliert werden, da es auch Organschaden verursachen kann. Die Kontrolle kann eventuell auch der Hausarzt machen.
Das Myelom ist bei dir wohl sehr früh entdeckt worden, so dass noch kein Organ- und/oder Knochenschaden vorhanden sind. Das ist gut denn bei vielen Patienten wird es erst durch Knochenbrüche/ Wirbelschaden oder Nierenprobleme erst entdeckt, sehr spät also. Es sollte aber weiterhin beobachtet werden, es wird sicher in der Klinik auch nochmal ein MRT gemacht, falls du kein zeitnahes hast.
Bei meinem Mann wurde bis zur Behandlung dann doch noch ein großes Plasmozytom in einem Wirbelkörper festgestellt, dass zuerst bestrahlt werden musste. Es ist also keine Eile geboten, aber wachsam bleiben ist wichtig.
Deine Hämatologin ist wohl sehr sorgfältig gewesen, wenn sie bei dir die (RAS)Genmutationen untersucht hat. Das ist laut Leitlinie nur optional und wird lang nicht immer gemacht.
Sie spielen, ausser TP53 Mutation, eigentlich keine größeren Rolle bei der Erstdiagnose. Wohl aber im Rezidiv, wie in der Studie von Miregal erwähnt. Da ging es um rezidiv Patienten die ausschließlich mit Bortezomib oder hochdosiertes Dexa behandelt wurden. Nicht also in Kombination mit anderen Medikamente. Bei der Behandlung vom MM hat sich in den letzen 10 Jahren extrem viel getan, heute würde man so wahrscheinlich nicht mehr behandeln.
Die NRAS Mutation an sich ist kein hochrisiko Parameter. Wohl aber andere Chromosomendefekte, oder eine Kombination davon, die hast du aber nicht explizit erwähnt.
Ich wünsche dir einen schnellen Termin in der Uniklinik, das wird sicherlich einige deiner Unsicherheiten klären.
Alles Gute!
Liebe Grüße
Ibi