Moin, Muckel,
ja, ich weiß, wovon Du sprichst, meine Stammzelltransplantation war eine üble Sache mit vielen Nebenwirkungen, und ich habe Monate gebraucht, um mich davon zu erholen. Allein die Aussicht auf eine zweite hätte mich sehr demoralisiert.
Zuerst einmal: eine Hochdosis-Therapie ohne anschließende Stammzelltransplantation empfiehlt sich gar nicht - egal, ob das die erste oder die zweite ist. Die Stammzelltransplantation ist nämlich dazu da, um die Nebenwirkungen der Hochdosis-Therapie abzumildern. Man kann es sich nicht mehr vorstellen, aber bevor es die Stammzelltransplantationen gab, hat man nur die Hochdosis mit Melphalan durchgeführt, und dann musste sich das Knochenmark monatelang ohne weitere Therapie selbst erholen; dabei sind viele MM-Patienten an Infekten verstorben.
Nach meinem Kenntnisstand führt man eine sogenannte Tandem-Transplantation, also zwei SZT kurz hintereinander, heutzutage nur noch bei Hoch-Risiko-MM-Patienten durch, insbesondere bei denen mit einer genetischen Deletion 17p. Keine Ahnung, ob die bei Deinem Mann vorliegt.
Eine komplette Remission nach ASZT sieht aber - soweit ich weiß - von den Blutwerten her anders aus als bei Deinem Mann, keine Ahnung, wie der Onkologe zu dieser Einschätzung kommt. Mit diesen Werten würde man m.E. auch nicht unbedingt von einer VGPR, also very good partial remission, d.h. sehr guten Teilremission sprechen. Da ist sehr wahrscheinlich noch Tumorlast vorhanden. Möglicherweise sollte man das durch eine Knochenmarkpunktion überprüfen.
Aber vielleicht sollte man sowieso zunächst die Konsolidierungs-Therapie in zwei Zyklen mit Dara-VRd durchführen, egal, ob man sich noch für eine zweite ASZT entscheidet oder nicht. Soweit ich weiß, wirkt eine ASZT umso besser, je geringer die Tumorlast ist. Und natürlich können sich mit dieser Therapie auch noch die Werte verbessern. Es gibt Patienten, die erst im Laufe einer längeren Erhaltungstherapie in eine komplette Remission gekommen sind; heutzutage gibt es ja im Einzelfall die Möglichkeit, eine Kostenzusage für eine Erhaltung mit Lenalidomid und Daratumumab (letzteres 1 x im Monat) durchzuführen (ich habe aber leider keine Ahnung, ob Dara-R schon zugelassen ist für die Erhaltungstherapie).
Was allerdings wichtig ist: Die Prognose, also die Dauer des krankheitsfreien Intervalls sowie das Gesamtüberleben ist nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Kenntnisstand umso besser, je tiefer das Ansprechen der Erkrankung auf die Behandlung in frühen Therapielinien ist, und dabei spielt natürlich die erste Therapielinie eine große Rolle. Deswegen haut man auch in den Erstlinien mit allem drauf, was es gibt, bei Deinem Vater mit der 4-fach-Kombination Dara-VRd, das gibt es erst seit gut einem Jahr. In Studien gibt man vor der Stammzelltransplantation und in der Konsolidierung sogar noch Teclistamab dazu (GMMG-HD10-Studie/MajesTEC-5) und erreicht damit - zumindest in den zitierten Studien - ein Ansprechen von 100% der Patienten, und zwar sind alle MRD-Negativ, das heißt, es ist überhaupt keine Resterkrankung mehr nachweisbar (das ist das tiefste Ansprechen, was momentan machbar ist).
Ich hoffe, ihr könnt euch für ein gutes weiteres Vorgehen entscheiden...
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)