Moin, Löwenpapi,
ich schreibe erst heute, vielleicht ist eure Entscheidung ja schon gefallen.
Manchmal kann man das eine tun ohne das andere zu lassen. Wenn Dein Vater das Rezidiv unter der Erhaltungstherapie mit Lenalidomid bekommen hat, dann könnte er eine CAR-T-Zelltherapie mit Carvykti machen, die kann dann auch bezahlt werden (ca. 300.000 Euro). Nur wäre vorher eine Überbrückungsbehandlung (=Bridging) notwendig, um das MM zurückzudrängen sprich die Tumorlast zu verringern. Wichtig ist: Eine CAR-T-Zelltherapie mit Carvykti funzt über das Oberflächenprotein BCMA der MM-Zellen. Genauso wie eine Behandlung mit den bispezifischen Antikörpern Teclistamab, Elranatamb oder Belantamab Mafoditin. Talquetamab funktioniert über das Oberflächenprotein GPRC5D, nutzt also BCMA nicht ab.
Faustregel: Erst CAR-T mit Carvykti, und wenn das nicht mehr funktioniert, dann ein bispezifischer Antikörper mit dem BCMA-Zielprotein. Weil CAR-T das BCMA nicht so sehr abnutzt und die genannten bispezifischen BCMA-Antikörper auch danach noch funktionieren. Umgekehrt geht das nicht so gut, d.h. CAR-T funzt nach BCMA-gerichteten bispezifischen Antikörpern in der Regel nicht mehr oder nicht mehr so gut.
Wenn BCMA nicht mehr funzt, dann GPRC5D, also Talquetamab. Klingt logisch, oder?
Jetzt wird es aber kompliziert: Wenn das MM mit den üblichen Mitteln, also z.B. Bestrahlung, Dara, Carfilzomib, Pomalidomid, Dexa und was nicht noch alles nicht in den Griff zu bekommen und Gefahr im Verzug ist, kann eine Überbrückung sprich Bridging vor einer CAR-T-Therapie mit Carvykti auch kurzzeitig mit bispezifischen BCMA-Antikörpern erfolgen, ohne dass BCMA abgenutzt wird. Und dann noch Talquetamab dazu, wenn es denn unbedingt sein muss.
Lebensqualitätsmäßig ist CAR-T - bei allen denkbaren Nebenwirkungen - bei erreichbarer Remission in der krankheitsfreien Zeit genauso wie nach autologen Stammzelltransplantation oder besser. Also nur alle drei Monate Kontrolle, aber kein Lenalidomid zur Erhaltung. Eine Dauertherapie mit bispezifischen Antikörpern heißt allerdings in der Regel, einmal im Monat eine Spritze oder Infusion. Lebensbegleitend, bis zum nächsten Rezidiv.
Übrigens: Belantamab macht Sehstörungen durch eine Keratopathie, bei ungefähr 70-80 % der Patienten tritt verschwommenes Sehen auf. Das ist aber meistens rückläufig, wenn das Zeug abgesetzt wird. Aber alle bispezifischen Antikörper haben ähnliche Nebenwirkungen wie eine CAR-T-Zelltherapie, also z.B. einen möglichen Zytokinsturm oder ein ICANS (Immuncell-assoziiertes Neurotoxizitäts-Syndrom).
Ich hoffe, ihr könnt eine gute Therapie für Deinen Vater finden...
Schönen Feiertag noch - trotzdem...
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)