Hallo, Tine,
der geschilderte „Fall“ ist natürlich tragisch und leider gut geeignet, zumindest ein mulmiges Gefühl vor CAR-T hervorzurufen oder zu verstärken. Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass es solche Verläufe gibt. Die Betroffenen haben mein Mitgefühl, und ich hoffe sehr, dass sich das ICANs oder CRES (CAR-T-cell related Encephalopathy Syndrome) schnell bessert.
Aus eigener Erfahrung und bei den mittlerweile weiteren 4 Teilnehmenden mit CAR-T (sowohl Abecma, als auch Carvykti) unserer SHG kann ich aber sagen: Für uns ist alles gut gegangen, und keiner bereut seine Entscheidung für diese Therapie. Bei einem MM-Kollegen kam es 1 Tag nach Abecma zu einem CRS, aber das hatten die Ärzte innerhalb eines Tages im Griff, auch mit Tocilizumab. Da war dann zwar kürzlich der Leberwert angestiegen, aber auch das kam schnell wieder in Ordnung.
Mich persönlich hat die Lymphodepletion mit Cyclophoshamit und Fludarabin etwas geschlaucht, aber das war kein Vergleich zur Mobilisierungschemo oder Hochdosis. In Erlangen geben sie während des Aufenthaltes und auch die erste Zeit noch Keppra, das macht etwas müde, ist aber wichtig zur Vorbeugung von cerebralen Anfällen.
Mittlerweile, also nach 4 Wochen nach CAR-T sind meine Leukos schon fast wieder in der Norm, und bei den anderen Blutwerten sieht es auch gut aus. Die Leichtketten sind < 0.4, das ist sogar niedriger als nach der Stammzelltransplantation. Ich muss nur noch alle zwei Wochen zur Kontrolle, und dann hoffentlich bald nur noch alle 4 Wochen, auch wegen Bondronat und Gamunex (Immunglobuline). Eine deutliche Verbesserung im zeitlichen und nervlichen Aufwand gegenüber einem vierwöchigen Zyklus DKd.
Also, insgesamt ist das alles mir der CAR-T-Therapie nach meiner Einschätzung zwar kein Spaziergang, aber machbar. Die meisten Nebenwirkungen haben sie m. E. mittlerweile gut im Griff, aber manchmal ist das Schicksal leider ein mieser Verräter.
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)