Hallo Christer,
das ist natürlich immer ein Schock wenn wieder Knochen brechen - so ein Mist aber auch. Aber am Arm kann man erstens gut bestrahlen ohne sonstige Organe zu beschädigen und es ist auch nicht "statikgefährdend" für den ganzen Körper.
Wenn ich bedenke, daß ich im Mai die Diagnose bekam LWK5 eingebrochen und zwei Rippen gebrochen und man hat nichts operiert und nichts versorgt. Es wurde einfach so gelassen und wir haben die DSMM XII Studie begonnen. Seit Juni spüre ich nichts mehr und kann mich normal bewegen und im Bett ohne Probleme hin und herdrehen ohne den gerinsten Schmerz. Aber das kann sich eben beim MM von Heute auf Morgen ändern.
Ab dem 3. Zxklus sollte ich plötzlich zusätzliche Medikamente (Pillen) schlucken. Es waren Aziclovir 1200mg täglich und Antibiotikum Cotrim Forte 1x am Montag, Mittwoch und Freitag.
Zuhause im 3. Zyklus habe ich diese nicht genommen weil ich mir dacht, wenn ich keine Symthome habe von Herpes oder Infekten und wenn meine Leukos u.s.w. OK sind -warum soll ich mich vollpumpen mit Pillen????
Ich habe es beim Beginn des 4. Zyklus in Würzburg mit den Ärzten angesprochen - warum ich das denn jetzt schon nehmen soll - Monate vor der HD.
Die Antwort war:
Die hohe Dosis Dexamethason und die Chemo mit Doxorubicin und dann noch Revlimid können mein Immunsystem doch ganz schön runterdrücken. Ein gefährlicher Erreger, den wir als Gesunde auch oft in der Lunge haben könnte dann die Oberhand gewinnen und schwer beherrschbare Lungenentzündungen verursachen.
Das Problem ist auch von HIV Patienten bekannt und der Erreger ist bekannt. Das Cotrim Forte wird speziell gegen diesen Erreger gegeben.
Ich habe dann nachgeforscht und folgendes herausgefunden:
Der Erreger heißt "Pneumocystis jiroveci (früher auch Pneumocystis carjnii).
Cortim Forte 800+160 oder in der Klinik habe ich Eusaprim 800+160
erhalten hemmt die Folsäurebiosynthese von diesem Erreger (von empfindlichen Krankheitserregern).
Man sollte dann Folsäure nehmen, das man keinen Mangel hat. Das habe ich auch gemacht mit Vitamin B-Komplex + Folsäure täglich eine Pille.
Ich sagte zu meinem Hausarzt, wieso denn das? Ich habe doch Leukozytenwerte von 5000 und höher (nach den Neulasta Spritzen am Tag 6 am Tag 8 immer 20000 bis max 30000 Leukos).
Dann eine Woche später bei den Konreollen die üblichen 4000 bis 6000 Leukos. Ich dachte immer man muß nur auf die Leukos schauen, wenn man den Immunstatus wissen will????
Der Hausarzt sagte aber es ist eine Frage der T-Zellen und insbesondere der T- Helferzellen. Das weiß man schon aus Erfahrung von den HIV Patienten.
Wenn die CD4 T-Zellen unter 200 pro Mikroliter Blut absinken, dann wird es kritisch (Alarmstufe Rot!!!).
Nun haben wir ja in der Lymphozytengruppe eine Untermenge CD3 positive T-Zellen. Und eine gewisse Menge CD4 postive T Zellen und CD8 T-Zellen. Und dann haben wir noch ein CD4/CD8 Ratio.
All das kann man mit der Durchflußzytometrie Serum aus dem Blut ermitteln. Die wenigsten Erfahren aber das Ergebnis-wenn es gemacht wurde. Ich habe mir immer alle Ergebnisse im Studiensekretariat ausdrucken lassen - wenn ich es nicht schon auf der Station auf Nachfrage erhalten habe.
Konkret heißt mein Ergebnis:
"Im peripheren Blut 28 % Zellen im Lymphozytengate, davon anteilig 58 % reife CD3-positive T-Zellen mit einer CD4/CD8 Ratio von 4.
Der NK (natürliche Killerzellen)-Zellanteil ist mit 20 % erhöht. Der B-Zellanteil liegt bei etwa 12 %."
Ich habe mal grob gerechnet und bin auf ca. 400 bis 700 T-Zellen pro Mikroliter Blut gekommen. Also noch Sicherheitsabstand von 200.
Man kann das ganze auch in einem speziallabor alles bestimmen lassen aus dem Blut bis ins kleinste Detail. Das müsste eigentlich bei jedem MM Patient nach einer Therapie gemacht werden bevor er nach Hause entlassen wird, dann weiß man, ob man gefährdet ist oder nicht. Aber die Ärzte lassen einen echt "als doofen Patienten" im Dunkeln stehn. Da heißt es nur: " Ihr Leukos sind jetzt über 1000 und jetzt können sie nach Hause"!
Aber wie der Stand der T-Zellen und Helferzellen ist wissen wir nicht - man sagt es uns jedenfalls nicht:bang:
Also kein Wunder wenn der eine oder andere Zuhause dann einen Infekt einfängt und Fieber bekommt und dann als Notfall wieder in der Klinik landet - oft mit beginnender oder akuter Lungenentzündung.
Lungenentzündungen sind zu 30% die Todesursache bei Myelompatienten. Wären wir besser aufgeklärt - könnten wir uns gezielter darauf vorbereiten und verhalten.
Heilung ist ein individueller Prozess, der sehr stark an das persönliche Bewusstsein gebunden ist. Daher kann kein Mensch einen anderen Menschen heilen sondern immer nur auf dem Weg zu seiner persönlichen Heilung begleiten.
rudiversal.wordpress.com