Hallo,
in den CRAB-Kriterien zur Diagnose eines behandlungsbedürftigen MM steht nicht umsonst das R - R bedeutet "Renal Impairment" und damit Nierenschädigung. Meine eigene Niere ist auch schon ziemlich lädiert. Und ich habe zu Beginn der Behandlung nachgerade um mein Leben getrunken und gepinkelt, unterstützt durch Infusionen, denn man wollte verhindern, dass die Niere "trocken läuft".
Das Problem sind MM-bedingte hohe Kalziumkonzentrationen im Blut durch abgebautes Knochenmaterial und eine dadurch mitbedingte Dehydration, die die Filterfunktion einschränken und dadurch die Niere nachhaltig schädigen. Und auch freie Leichtketten von MM-Zellen lagern sich gerne in den feinen Nierenkanälen ab. Normal-gesunde Antikörper schädigen die Niere nicht, die gehen so durch, aber viele freie Leichtketten von MM-Zellen bleiben in den Nieren hängen. Wer das mal genauer nachschauen möchte, dem empfehle ich einen Videovortrag von Prof. Knop aus dem Klinikum Nürnberg Nord.
myelom.online/multiples-myelom-begleiter...enfunktionsstörungen
Ja, viele Medis zur Therapie des MM haben leider nierenschädigende Wirkungen, auch das Lenalidomid ist dabei. Das klingt erstmal paradox. Wie immer bei der Einnahme von Medis muss man m.E. den Nutzen und das Risiko dieser Medis gut abwägen. Es geht um die Beantwortung der Frage: Was macht die Niere mehr und schneller kaputt - das MM oder die Medis? Können die Medis die im MM begründete erhebliche Nierenschädigung soweit verhindern, dass die Nierenfunktion möglichst lange erhalten bleibt?
Ich kann nicht erkennen, wo die "Pharma-Industrie" bei den MM-Medikamenten eindeutige Heilversprechen abgibt. Bei der Erklärung der Wirkungsweise von MM-Medikamenten lese ich immer wieder die Formulierung "kann" - damit wird aus gutem Grund die Möglichkeit einer Wirkung eingeschränkt, und das wissen die Entwickler von Medikamenten auch und teilen das auch mit. Denn so ist es ja auch. Die meisten Behandlungen mit MM-Medikamenten sind erstmal Versuche, niemand kann momentan schon vorhersagen, ob ein bestimmtes Medikament bei einer bestimmten Person mit ihrem individuellen MM wirkt. Die Strategie ist jetzt ja: wirkt das eine nicht, versucht man das andere. Mittlerweile gibt es ja mehr als Thalidomid und Dexamethason, und auch das haben wir neben den Forschern der Pharma-Industrie zu verdanken (wem sonst?). In den Beipackzetteln zu den Medikamenten wird m.E. auch ganz klar und detailliert ausgewiesen, welche Nebenwirkungen auftreten können. Und natürlich können diese Nebenwirkungen auch gefährliche Folgen haben. Das MM aber eben auch, und zwar sehr oft schneller und tödlicher, als die Medikamente. Ich kann gut verstehen, dass man wütend darauf wird, dass bestimmte Medis nicht mehr wirken oder Nebenwirkungen haben. Daran ist aber nicht die Pharma-Industrie schuld, sondern das MM.