Hallo, Eva,
im Myeloma-Month März 2022 hatte die IMF folgende Erkenntnis vermittelt: "Patienten, die an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen, erfahren aufgrund des Verständnisses ihrer Behandlungsoptionen positivere Ergebnisse." Ich denke, dafür ist auch der Austausch in diesem Forum gut geeignet. Ich bin als MM-Patient im Verlauf der letzten 6 Jahre immer wieder einem Gesundheitsversorgungssystem begegnet, in dem der "sprechenden Medizin" häufig nicht die erforderliche Zeit eingeräumt werden kann. So ist auch die Erfahrung von vielen Teilnehmenden unserer Selbsthilfegruppe. Es bleibt also m.E. nicht anderes übrig, sich selbst ausreichend schlau genug bezüglich der Erkrankung zu machen, um medizinische Empfehlungen einer näheren Betrachtungsweise zu unterziehen und sich ein eigenes, fundiertes Urteil zu bilden. Schließlich geht es ja um den eigenen Körper und die eigene Gesundheit, und da möchte ich gerne verantwortungsvoll mitreden können. Mit vielen Ärzten lässt sich nach meiner Erfahrung mittlerweile besser sprechen als früher und auch konstruktiver verhandeln im Hinblick auf die Umsetzung von Behandlungsempfehlungen (die haben dazu gelernt). Das hat aber bei mir aber meistens entspannt funktioniert, wenn ich meine Ideen gut begründen konnte.
Ich habe Cotrim und Aciclovir nach Rücksprache mit dem Arzt 4 Monate nach meiner Stammzelltransplantation abgesetzt. Die Blutwerte und mein Allgemeinzustand waren aber auch sehr gut damals. Im Gespräch mit dem Arzt gab es die kontroverse Diskussion, dass ich dies auf eigenes Risiko mache, aber ich war genau wie Du bereit, das einzugehen. Für den Arzt war es wohl beruhigend, zu wissen, dass ich mir bei den ersten Anzeichen einer Infektion der Lunge oder mit Herpes Zoster (Gürtelrose) sofort medizinische Hilfe geholt hätte. Auf Fieber achte ich sehr und habe mir dafür dasselbe (teure) Ohr-Thermometer-Modell gekauft, was die auch in der Klinik überall hatten. Und die Medis habe ich natürlich auch in Reserve.
Mittlerweile bin ich gegen Herpes Zoster geimpft (mit Shingrix) - ja, das ist keine Garantie, nicht doch eine Gürtelrose zu bekommen. Zuweilen und leider öfter als früher bekomme ich Herpes-Bläschen auf der Lippe, dann behandele ich mit Zovirax und gebe mir für eine Woche täglich 1 mal 200mg Aciclovir - das hat bei mir bisher sehr gut funktioniert. Aber dieser Weg ist natürlich auch keine Empfehlung für alle, sondern gilt nur für meinen Einzelfall, und wenn sich das als nicht mehr richtig erweist, ändere ich das natürlich.
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)