Hallo Maxi,
der Weg zu off-Labelbehandlungen sind steinig. Ärzte sind meist sehr hilfsbereit, aber die Kostentäger haben auch ein Wörtchen mizureden. Lenalidomid ist zur Zeit wesentlich günstiger wie Thalidomid. Wenn deine Kombi nicht mehr besser wirkt und sich Nervenproblme einstellen, wechsele auf Dara-KRD. Stammzellsammlung lässt sich übrigens auch ohne Chemo, rein hormonbasiert durchführen ("steady state"). Das wird üblicherweise bei Fremdspendern von Knochenmak angewendet (und während der Pandemie um das körpereigene Immunsystem nicht vollständig zu resetten), die Hormonspritze ist aber sehr teuer (7000€). Die Chemo mit Cyclophosphamid (Standardbehandlung bei Stammzellsammlung) ist nicht lustig. Letzteres kann natürlich auch Krebszellen reduzieren, aber zu welchem Preis? Zytostatika greifen ja schnell wachsende Zellen an, in dem sie die Teilung der selbigen verhindern. Bei einem smouldering bzw. stabilen Erkrankung m.E. kontraproduktiv.: wenn sich die Krebszellen nicht schneller teilen wie Stammzellen, bringt die Chemo nix. Bei der Sammlung werdn zuerst Stammzellen gezielt gekillt (nicht alle), um dann das Neuwachstum der Verbliebenen anzuregen und sie dann in flagranti aus dem Blut zu filtrieren (sonst bleiben sie im Knochenmak)
Die jetzige 4-fach Kombination ist der richtige Weg: zwar nicht optimal, aber die einzig zugelassene 4-fach Kombination in der Induktion außerhalb Studien. Dara-KRD hat auch seine Tücken, das wäre die nächste Eskalationstufe (imho). Damit werden rund 70% der Patienten erst mal krebsfrei ( das nennt man MRD negativ). Ach ja, was heißt optimal? Manche Patienten erreichen mit einer RD Behandlung bereits eine CR/MRD-. Andere trotz Tandemtransplantat nie. Die Kunst besteht also darin, möglichst vielen Patienten unter akzeptablen Nebenwirkungen und Kosten ein relaiv breitbandig wirkende Medikation anzubieten. Eine KRD Behandlung ohne Hochdosis hat z.B. eine höhere Erfolgsaussicht (statistisch) wie eine VCD Behandlung mit anschließender HD/Transplanation. Revlimid (Lena) war bis zum Auslaufen des Patents sehr teuer, so dass Thalidomid den Weg in die Leitlinien gefunden hat, da es damals wesentlich billiger war. Heute is das anders, aber die Leitlinien werden nicht monatlich agepasst. Wäre also eine Option, das mit der Krankenkasse zu verhandeln, wenn Nebenwirkungen auftreten. Kyprolis statt Velcade ist auch noch besser wirksam, mit weniger Nervenschäden, dafür erhöhten Herzrisiken. Ist also eher was für jüngere oder sportliche Patienten. Beides wird dir der Onkologe ggf. vorschlagen, wenn die bisherige Kombi so nicht fortgeführt werden kann oder der Erfolg ausbleibt. Eine Halbierung der Myelomwerte im ersten Zyklus ist jedoch vielversprechend. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg
Letzte Änderung: 01 Apr. 2023 08:24 von miregal.