Hallo zusammen,
Erstmal vielen Dank für eure Antworten.
Selbst wenn die Fettstoffwechselstörung irgendwie mit meiner Vorerkrankung, das heißt mit dem multiplen Myelom und allem was dazugehört, zusammenhängt, hat der Hämatologe wohl doch keine wirkliche Lösung dafür. Der Fettstoffwechsel ist eben nicht die Baustelle eines Hämatologen.
Offensichtlich ist eine drastische Ernährungsumstellung die wichtigste Lösung für das Problem stark erhöhter Triglyceride.
Obwohl das nicht wirklich hierher gehört, weil der Fettstoffwechsel eigentlich nichts mit dem multiplen Myelom zu tun hat, will ich trotzdem mal versuchen, einfach zu erklären, was da im Körper abgeht.
Triglyceride ist einfach eine andere Bezeichnung für Fett, welches zur Energiegewinnung verbrannt oder im Fettgewebe eingelagert wird.
(Cholesterin ist übrigens ein hilfsstoff, gute und schlechte Eigenschaften haben kann, aber das ist ein anderes Thema).
Ich will mal versuchen, das am Beispiel eines Stückes Sahnetorte anschaulich zu machen. Sahnetorte besteht aus tierischem Fett (Sahne und Butter), was gesättigte Fettsäuren hat. Diesel gehen direkt als Triglyceride ins Blut und sind im Übrigen schlechter zu verarbeiten als Fette mit ungesättigten Fettsäuren. Außerdem hat so ein Stück Sahnetorte viel einfache Stärke (weißmehl) und Zucker. Beides ist viel zu viel, um direkt in Energie umgewandelt zu werden, und wird in der Leber ebenfalls zu Triglyceriden umgewandelt. Jetzt haben wir erstmal sehr viele triglyceride im Blut, die natürlich langsam wieder abgebaut werden. Wenn jetzt noch das so viel gepriesene Verdauungsschnäpschen dazu kommt, kriegt die Leber ein richtiges Problem, weil sie den Alkohol als Gift erkennt und vorrangig behandeln muss. Sie schaltet jetzt den Turbo an und produziert noch mehr Triglyceride. Ein Körper mit gesundem Fettstoffwechsel kommt damit normalerweise klar.vWenn jetzt über einen langen Zeitraum immer nur Zucker, einfache Stärke und tierisches Fett und dann auch noch viel Alkohol ankommt, schafft der Körper es irgendwann nicht mehr, die vielen Fette aus dem Blut abzubauen bzw im Fettgewebe zu speichern. Wenn dann auch noch eine andere Störung, z.b Diabetes, Nierenschwäche (wie bei mir) oder genetische Veranlagung dazu kommt, steigen die Triglyceride immer weiter an, weil der Körper es nicht mehr schafft, sie abzubauen. Jetzt kriegt die Bauchspeicheldrüse Stress, diese ist nämlich für die Produktion von Insulin verantwortlich, welches unter anderem für die Verarbeitung von Fett zuständig ist. Wenn also die Triglyceride im Blut zu hoch sind, so ab 10 mmol/l (meine liegen bei 8,3, normal ist 1,7) meldet sich die Bauchspeicheldrüse irgendwann krank und das kann man nur stationär und sehr langwierig gehandhabt werden.
Meine Ernährungsumstellung sieht jetzt also so aus: keine Fertigprodukte aus dem Supermarkt mehr, alles andere wenig, ganz ohne geht es nicht: gesättigte Fettsäuren, also fettes Fleisch, Milchprodukte, Kokosfett, Palmfett, kein Zucker, dafür Erythrit, was auch süß macht aber teuer ist, keine einfache Stärke, wie einfach Mehl, Nudeln, weißer Reis, wenig Obst, weil zu viel Zucker. Stattdessen viele Ballaststoffe. Diese sorgen dafür dass Zucker und Stärke nur langsam ins Blut gehen und die Leber nicht gleich so viel Triglyceride produzieren muss, enthalten in Vollkornmehl, Haferflocken und Gemüse, ungesättigte Fettsäuren, enthalten in Rapsöl, Olivenöl, Fisch Nüssen und Mandeln. Es geht auch Pute, Hühnchen ohne Haut, Schweinefilet oder magerer Schinkenbraten. Aufs Brot geht nur noch Magerquark mit Joghurt etwas Rapsöl und Kräuter.
Dabei esse ich doch so gerne Käse, Butter aufs Brot und Nackensteaks, Fett ist nun mal Geschmacksträger..
Es gibt allerdings auch Medikamente, aber wegen meiner Nierenschwäche kann ich die meisten nicht oder nur unter strenger ärztlicher Kontrolle des Nephrologen nehmen .
Hoffentlich bin ich jetzt nicht zu sehr auf eurem Gewissen herumgetrampelt. Gutes Essen gehört nun mal zu einer guten Lebensqualität, hat aber auch seine Nebenwirkungen.
Es gibt auch medikamentöse hochkonzentrierte Omega 3 Fettsäuren, die schlechte Fette ersetzen und leichter abbaubar sind, das geht auch nur unter strenge ärztlicher Kontrolle.
Also ist hier nicht der Hämatologe, sondern der Nephrologe mein Arzt. Morgen gibt es hoffentlich Laborwerte und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.
Inzwischen habe ich neben dem schlafenden Myelom noch vier weitere Baustellen, von vier verschiedenen Ärzten plus meiner etwas überforderten Hausärztin behandelt. Alle sind sicherlich gut auf ihrem Gebiet, scheinen aber nicht wirklich in der Lage zu sein, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Also gibt es kein wirkliches Gesamtbild meines Gesundheitszustandes.
Hinzu kommt, dass unser Gesundheitswesen meiner Meinung nach eine Lotterie ist, bei der man das große Los oder einfach nur Nieten ziehen kann.Ich hoffe nur, dass mein Glück mit den Car-T-Zellen nicht ausgeschöpft ist.
Liebe Grüße, Jockel
Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
Körper sind vergänglich, Seelen nicht.