Hallo, Johannes,
ich schätze Deine Beiträge hier im Forum sehr, aber jetzt kann ich nicht anders, ich muss einmal auf etwas antworten, was mir persönlich widersprüchlich erscheint.
"Das Schema 21/7 sei belegt genauso wirksam wie kontinuierlich, man könne in 28 Tagen die Tabletteneinnahme an unterschiedlichen Tagen variieren, muss am Ende von 28 Tagen auf die 21 Tabletten kommen. Konkrete Studie dazu wurde mir nicht genannt, aber ich vertraue da der Professorin, dass sie weiß, was sie tut und hinterfragen das auch nicht weiter."
Also, wenn etwas "belegt" wirksam ist, dann kann doch auch die Quelle angegeben werden, oder etwa nicht? Wissenschaft lebt davon, dass etwas transparent nachvollziehbar und auch nachprüfbar ist. Ich wäre sehr an diesem angeblichen "Beleg" interessiert, würde er mir doch ein Stück Unsicherheit mit meinem 2 Wochen On 2 Wochen Off- Schema nehmen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Ärzte haben den Placebo-Effekt neu entdeckt und machen solche Aussagen, damit der Patient auch ja daran glaubt, dass das funktioniert. So kraft des Professoren-Tums. Aber das ist - mit Verlaub - dann echt "Medizinmann-Niveau".
Wenn es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt, dann sollte man das auch so sagen - Professor hin, Doktor her, warum denn eigentlich nicht. Ich erinnere an das für mich richtig gute Zitat von Prof. Einsele zum Absetzen von L vor und nach dem Impfen: "Bei der Erhaltungstherapie handelt es sich um IMiDs. Und da hätte ich die Befürchtung, dass zwar wahrscheinlich der Impferfolg verbessert wird, wie man es z.B. bei der Pneumokokkenimpfung beobachtet hat, aber dass möglicherweise die Nebenwirkungen der Impfung stärker ausfallen könnten, da die Therapie auch proinflammatorisch wirkt. Von daher würde ich diese Substanzen eine Woche vor der Impfung absetzen und mindestens eine Woche danach nicht einnehmen. Es gibt aber keine Daten dazu, das ist eine Expertenmeinung." Damit kann ich arbeiten.
Natürlich ist es gut, wenn man seinen Ärzten vertrauen kann. Manchmal geht es ja auch nicht anders, klar. Aber mein Vertrauen in die Aussage einer Person ist größer, wenn diese klar macht, auf welcher Wissensgrundlage diese beruht. Wenn ich das nicht verstehen kann, weil ich das einfach nicht kapiere oder zu iel Chemo-Brain habe, ok, dann muss ich das eben mal glauben. Aber das ist für mich in der Regel keine Option, schon gar nicht beim MM, denn da habe ich von unterschiedlichen Ärzten schon viel Unterschiedliches gehört, was ich nicht unbedingt wissenschaftlich begründet fand, sondern mehr so ein persönlicher Stil des Mediziners war.
Wir haben doch nun in langen Diskussionen und auch dank der Recherche von daw herausgearbeitet, dass es NUR für das "Durchnehmen" von L in der Erhaltungstherapie wissenschaftlich evidente Belege gibt. Warum dass jetzt schon wieder relativieren? Alles andere können wir eben nicht wissen, solange nicht mehr Daten vorliegen, und da sollten wir auch nicht falschen Kontroll-Illusionen anheim fallen, nur weil ein Professor was sagt. Das ist dann zwar beruhigend, aber stimmt eben zumindest nach den Grundsätzen der Wissenschaft nicht (kannst Du bei Karl Popper nachlesen). Es bleibt dabei: Mutmaßungen oder Glaube - das ist nicht Wissen. Sorry.
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)