Liebe Mitpatienten,
dieser Beitrag ist eher ernüchternd. Wer nur Positives wissen will, soll ihn lieber nicht lesen.
Oft wird neu diagnostizierten MM- Patienten gesagt: Es ist zwar nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar, es gebe sooo viele Therapieoptionen." Wurde mir auch immer gesagt. Habe schon mehrfach bei meiner Onko erwähnt, dass ICH nicht sooo viele Optionen sehe.
Viele Optionen?
Tröstlich für Neu- Diagnostizierte. Aber machen wir alten Hasen uns doch nichts vor.
Ich lese mich hier seit 6 J aufmerksam durch. Viele Verläufe, auch von längst Verstorbenen kenne ich. Patienten, die länger dabei sind, erinnern sich bestimmt, dass Viele hier auf neue Therapien gewartet haben, z.T. haben sie sie nicht mehr erlebt.Oder die Mittel konnten die Erwartungen doch nicht erfüllen. Ich habe hier in 6 J erleben müssen, dass zuviele Mitpatienten gestorben sind, meist trotz vieler (zu vieler?) Therapien. Viele, die mit mir hier eingestiegen sind und nahezu alle Frauen, die mit mir im KH im Zimmer lagen, sind längst tot.
Mir wurde hier schnell klar,
Hochdosis ec. hilft (wenn überhaupt) dauerhaft nur wenigen Glücklichen. Die anderen Mittel wirken (wenn überhaupt) nur eine ungewisse Zeit, dann versagen sie, früher oder später, Wenige leben Jahre gut damit. Die Mehrheit wird dauerhaft therapiert. Oft endet es mit letzten hilflosen Versuchen, dann sind sie austherapiert und/oder gestorben.
Das alles bestärkte mich in meinem Entschluss, so wenig Therapie wie möglich anzunehmen.
Ich meine, man ist schnell durch mit den Optionen!
Genau genommen sind es "unterm Strich" nur 2 Möglichkeiten, die nach Ausschluss von Hochdosis ec. bzw. trotz dieser bei Rezidiv zur Verfügung stehen:
1. IMIDS Immunmodulatoren (Thalidomid, Lenalidomid, Pomalidomid),
2. Proteasom-Inhibitoren (Bortezomib, Carfilzomib, Ixazomib),
alles andere sind Kombis dieser Medis, bzw. leichte Abwandlungen, wirken vielleicht ein wenig mehr oder anders?
Antikörper, auf die man Jahre gewartet hatte, "ein Quantensprung in der Krebstherapie" hieß es damals. Diese Erwartungen wurden m.W. nicht erfüllt, sie werden mit den anderen Mitteln kombiniert, ersetzen sie aber keineswegs. Sie werden längst nicht mehr so hochgejubelt.
Schlimm finde ich auch, dass immer noch überall Dexa dabei sein soll. Klar, es ist ein Verstärker, erhöht aber auch die NW. Wir wissen ja auch um die Nachteile, speziell für Knochen.
Und wenn, wie jetzt bei mir, von "unterm Strich" 2 Möglichkeiten die 1. wegen totaler Unverträglichkeit ( Velcade, auch von Fachleuten- abgeraten) wegfällt,
und aus dem 2. Bereich ein Mittel (Rev) nun nicht mehr wirkt- dann ist der mir verbleibende Rest doch realistisch betrachtet gering.
Von allen "Optionen" sehe ich momentan für mich nur Pomalidomid. In der Hoffnung, dass es wirkt, wo Rev nicht mehr wirkt, und dass es nicht mehr NW bringt als Rev. Und wenn das nicht wirkt, oder nach einiger Zeit nicht mehr? Dann sehe ich KEINE Option mehr.
Das ist meine Realität. Bin auch der Ansicht, dass ich 6 J nur geschafft habe, weil ich relativ wenig Therapien angenommen habe. Sicher weniger als die meisten hier. Sonst hätte ich meine wenigen Optionen längst verbraucht. Klar, meine Knochen bröseln u. brechen immer wieder, aber ich hatte schon bei Erstdiagnose IIIb u. ein katastrophales Knochenbild.
Auf einen gravierenden Durchbruch einer wirklichen Alternative wage ich nicht mehr zu hoffen.
L.G.
Undine