Hallo Ihr Lieben,
das freut mich.

Genau, deswegen schreibe ich es, weil unsere Angst vor allem auch vor all diesen Unwägbarkeiten und unbekannten Situationen war. Wie zum Beispiel ‚damals‘ beim ersten Haare-verlieren in der Dusche vor gefühlt einer Ewigkeit (8 oder 9 Monate jetzt…), da kam auch mal kurz große Panik auf, da wurde mein Mann sogar mal kurz ohnmächtig.
Heute jedenfalls war ein guter Tag. Nach 72 Stunden Schmerzen und Blutungen und fast-nur-Schlafen höre ich heute morgen plötzlich jemanden in der Küche hantieren - mein Mann machte sich einen Kaffee und sein eigenes Frühstück, zum ersten Mal wieder, seit knapp 7 Tagen. Er war ganz fröhlich, und nach den Untersuchungen, heute kam er schon gegen 12 zurück, wollte er doch tatsächlich wieder ein bisschen Radfahren! Also waren wir ein Stündchen draußen an der Luft mit den E-Bikes. Danach hatte er noch Platz für einen Kuchen, dann schlief er bis 5. Und hatte prompt wieder Hunger. Rein statistisch hatten die Heidelberger uns ja gesagt, dass es ab Montag langsam wieder bergauf gehen müsste, da hat sein Körper wohl gut zugehört und brav mitgearbeitet… Puh, war ich erleichtert. Wegen der Immunschwäche putze ich hier ständig, und dabei hab ich ihn die gesamte Zeit mit wunderbarstem Gesang beglückt.

Ich gehe davon aus, dass sich diese Geschichte somit langsam ihrem Ende zu neigt und wir hoffentlich bald entlassen werden. Beim Radfahren erzählte er endlich mal ein wenig von den Vormittagen in der Tagesklinik. Er ist ein sehr kritischer Mensch und ist völlig begeistert, mit wie viel Wissen und Kompetenz er hier versorgt wird. Er sagte, dass vom Oberarzt zum Juniorarzt immer wieder unterschiedliche Personen zu ihm kommen, ihm Detailfragen zu diversen körperlichen Befindlichkeiten oder Funktionen stellen, und seine Medikamente täglich entsprechend angepasst werden. Er hatte ja schon eine HD und ASZT in einem kleineren Krankenhaus, und seiner Meinung nach merkt man deutlich, dass er nun bei den Spezialisten gelandet ist. Seiner Meinung nach ist es auch hilfreich, dass er sich jeden Morgen aufraffen muss, um in die Tagesklinik zu gehen, egal, wie schwach er ist. Er meint, das treibt den Körper an, wieder auf Touren zu kommen. Und es ist ja auch schön, er kann immer durch den kleinen botanischen Garten durchlaufen, das baut vielleicht auch ein wenig auf.
Und ja, wenn dies nicht ambulant möglich gewesen wäre, hätte er auf diese 2. HD verzichtet, denn, vielleicht ähnlich wie bei Dir, Reta, waren die beiden Aufenthalte zur Mobilisierung und HD auch sehr traumatisch für ihn. Wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn das nicht gerade zur absoluten Besuchsverbotszeit wegen Corona gewesen wäre, wer weiß. Aber da sank er ganz schnell ganz tief in Apathie und Verzweiflung ab.
Nun ja. Morgen gehe ich mal zur Sozialdienststelle, um mich zu erkundigen, was uns außer Reha nun noch so alles zusteht. Da gab es ja viele hilfreiche Tipps in der letzten ‚Stammtisch-Telko‘.
Eine gute Nacht wünsche ich,
Nuschl