Ihr Lieben,
nochmals vielen Dank für Eure vielen und immer wieder helfenden und aufbauenden Antworten.
Leider hat mein Papa es nicht mehr geschafft. Er ist gestern früh, am 15.07.2010 um 8,45 Uhr, genau 2 Jahre nach Diagnosestellung gestorben.
Sein körperlicher Verfall war täglich bemerkbar. Aber besonders schlimm war der seelische Abschied. Schon vor einer Woche wurde er zunehmend verwirrt und verabschiedete sich so von Tag zu Tag etwas mehr.
Am Sonntag war meine Mutter noch mit dem Rollstuhl eine Stunde im Krankenhaus unterwegs mit ihm. Nachdem sie ihn unter großer Anstrengung wieder ins Bett brachte, zog er ihren Kopf ganz dicht an sein Ohr und flüsterte, dass er sterben würde und er gerne zu Hause sterben würde.
Wir konnten ihm den Wunsch nicht mehr erfüllen. Er trat genau nach diesem Kommentar geistig total weg, fiel einen Tag später nach einem Krampanfall ins Koma, wurde gegen unseren Wunsch noch künstlich beatmet, aber zum Glück weitere 2 Tage später einvernehmlich mit den Ärzten von den Maschinen abgenommen.
Wir sind den Ärzten der Intensivstation 1G des UKE Hamburg, besonders Herrn Dr. Wichmann, sehr dankbar für die zeitaufwändige und sehr persönliche Betreuung. Er hat dafür gesorgt, dass dem Wunsch meines Vaters, und auch unserem Wunsch entsprochen wurde und mein Vater sehr friedlich einschlafen durfte.
Ich kann nur sagen, dass ich nach dieser Erfahrung keine Angst mehr vor Intensivstationen und dem Tod in so einer Situation habe. Mit einer Patientenverfügung und Angehörigen, die ein waches Auge auf die Patienten haben, kann man friedlich und zufrieden einschlafen.
Ich bin unendlich traurig. Der Schmerz zerreißt mir das Herz. Mein Papa kann mich nicht mehr in den Arm nehmen. Noch schlimmer ist es, die Verzweiflung meiner Mutter zu erleben, die 44 Jahre lang eine Bilderbuchehe mit ihm führte. Wir leben in einem Haus als Großfamilie, so dass mein Vater auch meinen 3 Kindern besonders fehlen wird. Er war immer für sie da, sie sind mit ihm aufgewachsen. Ein Leben ohne ihn ist unvorstellbar.
Hinzu kommt, dass meine ebenfalls sehr geliebte Schwiegermutter am 21 Juli 2006, also vor genau 4 Jahren ebenfalls am Mulitiplen Myelom nach 3 Jahren Pflege bei uns zu Hause starb.
Ich habe etwas Angst vor der Zukunft. Ein Leben ohne diese Krankheit, die schon so lange unseren Alltag beeinflusst hat? Die Angst vor der nächsten Diagnose bleibt irgendwie. Besonders der Gedanke an die Gesundheit unserer Kinder, dei nun von beiden Seiten der Eltern betroffen sind......
Ich wünsche Euch allen alles erdenklich Gute. Die Forschung ist im vollen Gange, es wird sicherlich bald DAS Mittel geben, wodurch die Krankheit in eine chronische Krankheit verwandelt und mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung gesegnet sein wird. Ich werde Eure Beiträge im Forum weiter verfolgen und an den individuellen Schicksalen weiter teilnehmen.
Morgen kaufe ich für meine Kinder das Buch "Opas Schutzengel"
Ich wünsche Euch auch viele starke Schutzengel.
Liebe und sehr traurige Grüße
Tanja