Hallo Hans-Willi,
es gibt Patienten die schon 4 HD Chemos/SZT gemacht haben. Um die Frage etwas allgemein zu erörtern, möchte ich meine Meinung dazu kundtun. Vorweg, ich bin eigentlich ein Gegner der hd/SZT, hab das aber dann nach 6 Jahren doch mal machen lassen, prompt mit Lungenentzündung. Also ich hab mich gut informiert, und auf Anraten aller Ärzte es dann doch machen lassen, also eine einzelne SZT.
Also die Chemotherapie killt Körperzellen, die sich schnell vermehren. Darum wird es bei Krebs eingesetzt. Bei einer stabilen MGUS wäre es unpassend. Mylomerkrankung entwickelt sich von der Gammopathie, die schon Jahrzehnte vorher vorahnden sein kann zum immer aggresiver werdenden Myelom.
Ziel ist es nun, den Anteil genetisch veränderter Zellen niedrig zu halten, weil dann die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft ein aggresiver Klon entsteht , geringer ist.
Dazu setzt man verschiedene Medikamente ein: IMIDs, Proteasomenhemmer, Antikörper und eben Chemotherapeutika. Alle haben ihre Nebenwirkungen, und Ärzte versuchen , je nach Gesundheitszustand das passende Mittel auszuwählen. Für ältere Patienten gibt es inzwischen Therapien, die besser wirken wie Chemotherapie ohne die obigen Medis. (in Kombination mit den Medis ist die SZT aber immer noch ungeschlagen) In Studien ist man da bereits bei einer 4-fach Therapie. Optimal ist natürlich 4-fach Therapie und SZT, um eine complete Response (CR), also kein klinisch nachweisbarer Krebsklon , zu erreichen. Leider ist der klinische Nachweis nicht perfekt, sondern etwa 1:100000 bis 1 Million, d.h. die Nachweiskrenze liegt bei einer Krebszelle pro 1 Million Knochenmarkzellen. Da man ca 10 Milliarden Knochenmarkzellen hat, können dann immer noch bis zu 10000 Krebszellen (unerkant) da sein. Wenn da bereits ein stark degenerierter und aggresiver Klon dabei ist, würde es schnell zu einem Rückfall kommen, die anderen mögen durchaus noch aus der weniger aggressiven MGUS Fraktion stammen. Jetzt sind wir wieder bei der HD Chemo/ SZT, hilft am besten gegen die aggresiven Varianten . Die Proteasomenhemmer helfen gut gegen Hochrisikoklone, Antikörper sind spezifisch für die meisten Myelomzellen, unabhängig von der Genveränderung, usw.
Letztendlich hängt es bei dir davon ab, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist, oder ob du nach der ersten SZT ein stabiles Plateau erreicht hast. In letzerem Fall würde ich eine Konsolidierungstherapie machen (falls du Revlimid verträgst)
Letzte Änderung: 05 Feb. 2021 22:20 von miregal.