Hallo Silvia,
hier meine Erfahrungen zur Mobilisierung:
Bei mir wurde die erste Stammzellsammlung 2014 mit Cyclophosphamid und Etoposid durchgeführt, nach einer Induktion mit CVD. Damals wurde mir keine weitere Option geboten. Ich bekam an einigen Tagen (ich meine es waren zwei oder drei) vor der Sammlung zusätzlich G-CSF als Bauchspritzen. Danach begann einfach eine Zeit des Wartens, es ging mir gut.
Genau nach 14 Tagen begannen die Haare auszufallen. Am Tag davor war die Sammlung, in einer Sitzung. Danach fühlte ich mich schlapp, aber das ging schnell vorbei. Da ich weit von der Klinik entfernt wohne, habe ich die Zeit bis zur Sammlung im Krankenhaus verbracht. Man kann den Zeitpunkt der Sammlung nicht genau vorhersagen, es werden zum Ende hin täglich morgens Blutkontrollen gemacht, bis genügend Zellen vorhanden sind, dann wird gesammelt. Der Nachteil der Chemo ist natürlich, dass die Leukos sinken und man dadurch schon vor der Hochdosis ein noch zusätzlich geschwächtes Immunsystem hat.
2017 wurden bei mir erneut Stammzellen gesammelt, nach einer Induktion mit KRD. Damals hatte ich mich mehr eingelesen und auch nach der Option "Steady-State-Mobilisierung " gefragt. Man sagte mir, dass bei stark vorbehandelten Patienten die Sammlung mit "Bauchspritzen", also ohne Chemo, nur sehr schwer möglich, bis unmöglich sei. Es hat sich gezeigt, dass die Sammlung bei mir dann auch trotz Chemo (diesmal Cyklo in Kombi mit Kyprolis) noch erschwert war (mehrere Tage hintereinander sammeln). Das Knochenmark ist einfach sehr angegriffen, durch die Therapie und natürlich auch durch die Erkrankung selbst. Ohne Chemo hätte ich keine Stammzellen sammeln können.
Vielleicht sollte man immer ein gutes Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen, seine Bedenken anbringen! Ich könnte mir vorstellen, dass es auch mit der Tumorlast zusammenhängt, wie leicht oder schwer das Knochenmark noch Zellen in Überproduktion für die Sammlung frei gibt. Das ist aber nur eine Vermutung von mir, die eben nur der Fachmann, also der Hämatoonkologe genau kommentieren kann.
Damals habe ich mir viele Gedanken gemacht. Der massive Gebrauch von G-CSF (Wachstumsfaktor) bei der Steady-State-Mobilisierung ist nicht unumstritten (auch dazu gab es hier schon einige Beiträge - such mal mit der Suchfunktion). Wie immer sind beide Varianten mit Vor- und Nachteilen behaftet und man muss für sich entscheiden, womit man sich eher anfreunden kann. Nach Kyprolis sagte man mir, sei eine Sammlung erschwert, darum wird gerne der Weg mit der Chemo genommen. Wie das nach Antikörpergabe ist, solltest Du erfragen!
Wichtig ist es, eine genügende Stammzellen Ausbeute zu erhalten und nicht zu riskieren, mehrere Tage an die Maschine zu müssen oder gar nach einer Erholungsphase noch mal zur erneuten Mobilisierung einbestellt zu werden. Was würde das mit dem Myelom machen?
Die Steady-State-Mobilisierung hat den Vorteil, das ziemlich sicher der Zeitpunkt der Sammlung vorhergesagt werde kann, diese aber nicht immer die genügende Ausbeute bringt. Die Chemo als Vorbehandlung hat eben den Nachteil der Nebenwirkungen und es ist eben eine Chemo! Da werden allerdings in den Kliniken unterschiedliche Substanzen in Kombination gegeben. Auch da sollte man vorher nachfragen, was gegeben wird und warum! Vielleicht spielt in vielen Kliniken auch der Kostenfaktor eine Rolle. Das alles sollte man den behandelnden Arzt fragen.
Es ist - wie immer - eine schwere Entscheidung, die letztendlich nur der Patient individuell für sich treffen kann.
Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung und alles Gute
Ma
Letzte Änderung: 10 Juli 2020 11:10 von Mapoli.