Hallo allseits.
Ich darf doch einige Abklärungen zum Thema einbringen.
Ist nicht angriffig gemeint.
Was hier im Sinne unserer Alltagssprache als "Grippe" bezeichnet wird, ist eigentlich ein grippales Infekt, keine echte Grippe.
Die echte Grippe (durch Influenza-Viren verursacht) kann ab einem bestimmten drastischen Schwere-Grad von Immunsystem-Beeinträchtigung auch tödlich wirken. Allerdings kann man dabei die entsprechenden Viren (nach deren möglichst präzisen Festlegung) gezielt mit den dazu geeigneten Virostatika bekämpfen.
Das grippale Sommerinfekt, von welchem hier die Rede ist, ist nur bei extrem kollabierten Immunsystemen wirklich nennenswert gefährlich, wenn auch fast immer nicht tödlich. (Mit "extrem" ist hier wortwörtlich "extrem" gemeint!) Auch da kann man freilich prinzipiell den Virusstamm bestimmen und mit geeigneten Virostatika eingreifen. Ansonsten ist ein solches lästiges und schwächendes Infekt -- auch bei einem beeinträchtigten Immunsystem! -- gut überwindbar. Mit einem sinnvollem gelassenem Prozedere aus Schonung, psychischer und physiologischer Förderung, Schlaf und Entspannung. (Dazu gehören selbstverständlich die entsprechenden Vermeidungen: von Streß, Belastung, Ärger, Ermüdendem, Negativistischem.)
Wie von anderen hier schon erwähnt, reagieren Viren mitnichten auf eine Antibiose.
Eine Antibiose wird durch die Gabe von einem Antibiotikum ( Mehrzahl "Antibiotika" ) erwirkt. Sie bewirkt die Bekämpfung von Bakterien.
Dazu hab' ich eine Menge zu sagen:
Die Bekämpfung von Bakterien durch antibiotische Stoffe bewirkt tendenziell auch einen Selektionsdruck auf die soeben angegriffenen Bakterien zur Herausbildung von Immunitäten gegen ihren Angreifer. Das ist unvermeidlich und unkorrigierbar so. Das hängt mit den zentralen Charakteristika des biologischen Geschehens überhaupt. Das ist sozusagen "Biologie pur". So funktioniert Biologie. Alle Biologie. Alle Biologie der Welt.
Antibiotika werden seit circa 75 Jahren großflächig angewandt. Bei den geringsten Lebensspannen der Bakterien entsprechen 75 Jahre einem biologischen Zeitraum von ungefähr 6 bis 7 Millionen Jahren im Leben fortgeschrittener Säugetiere. Das heißt: Wenn im Leben von bestimmten Säugetieren eine Gefährdung durch eine räuberische Angreifer-Population entstanden wäre, dann hätten die Angegriffenen sechs bis sieben Millionen Jahre Zeit für die biologisch-evolutive Entwicklung von wirksamen Gegenmaßnahmen gehabt, falls man als Gesamt-Zeitspanne die Bakterien-Zeitspanne von 75 Jahren auf sie umzurechnen versuchte.
Ok.
Der Unterschied wäre, daß besagte Gegenmaßnahmen mannigfachster Art sein würden: Von der Entwicklung von aktiven und passiven Bewaffnungen zur räumlichen Weiter-Verteilung; von der Erhöhung der Reproduktionsrate zur Entwicklung raffiniertester Tarnungen und Täuschungen; vom Ausweichen in spezielle Nischen zur Bildung von innerartlichen und interartlichen Verteidigungskoalitionen; und vielem, vielem mehr. In der Bakterienwelt spielen zwar auch (eher am Rande) Tarnung und Täuschung eine Rolle. Entscheidend aber in der Herausbildung von Gegenstrategien gegen den antibiotischen Angriff ist die Entwicklung von sogenannten Resistenzen. Die Bakterien versuchen resistent zu werden. Umgerechnet auf menschliche Zeitspannen haben sie dazu Millionen Jahre Zeit gehabt und viel, viel, viel Erfolg.
Sie haben gebildet -- und bilden emsig weiterhin! -- resistente Stämme.
Sie haben dabei einen höchst willkommenen hochpotenten Verbündeten gehabt, und können auch weiterhin mit ihm rechnen: die menschliche Begriffsstutzigkeit.
Die Menschen haben angewendet und wenden recht gerne die antibiotische Waffe an:
unnötigerweise,
breitbandig und undifferenziert,
vorsorglich auch dann wenn Vorsorge unangebracht,
unabgewogen,
und, als ob dies alles nicht genug des Übels wäre,
dort zu schwach und zu kurz wo angebracht.
Das alles hat die Entwicklung von bakteriellen Resistenzen beschleunigt und zusätzlich gefördert.
Darüber hinaus gibt es das Problem der von einer Antibiose verursachten Nebenschäden.
Bakterien sind nämlich nicht immer Feinde oder Neutrale oder unsichere Kantonisten in bezug auf den Menschen.
Es gibt mit dem Menschen befreundete und sogar mit ihm alliierten und für sein Überleben wesentliche Bakterien. Solche leben -- hauptsächlich -- mit und in uns. Kiloweise!
Sie bilden zum Beispiel auch die sogenannte Darmflora.
Durch Antibiose wird sie beschädigt, manchmal sogar beinah vernichtet.
Fazit:
Eine Antibiose darf nur dann wenn spezifisch notwendig vorgenommen werden. Dann aber weder zu schwach, noch zu kurz, noch breitbandig. Vorbeugende Antibiose ist eigentlich selten gerechtfertigt. (Manchmal aber unabdingbar!) Bei einem grippale Infekt ist sie nie gerechtfertigt. Sollte bei einem deutlich abgeschwächten Immunsystem tatsächlich (!) anläßlich eines grippalen Infektes eine bakterielle Superinfektion hinzugekommen sein (das heißt, zusätzlich zur viralen Infektion), dann sollte auch -- sehr gekonnt und gewissenhaft -- von einem kompetenten Arzt das Pro und Contra einer spezifischen Antibiose abgewogen werden. Es sind abzuwägen die potentiellen Gewinne im Kampf mit den angreifenden Bakterien gegen die Schäden an den eigenen alliierten Bakterien (Darmflora z.B.), die mögliche Weiterzüchtung persönlicher Resistenzen an den feindlichen Bakterien und die Gefahr der Förderung einer Superinfektion durch Pilze. (Antibiotika fördern meistens Pilze.)
Andere Ärzte werten hier leicht oder stark anders als ich. Aus Bequemlichkeit, Gewohnheit, falsch verstandenem Entgegenkommen dem drängenden Patienten gegenüber, Ängstlichkeit, Schludrigkeit, Bagatellisierung, manchmal sogar mangelhafter Kenntnis der eigentlichen biologischen Gesetzmäßigkeiten innerhalb der Bakterienwelt.
Meine hier dargelegte Position dürfte allerdings dem eigentlichen heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand schon eher entsprechen, so sehr sie manchem als zu streng erscheinen möchte. Man schiebe dann halt gnädigerweise meine vermeintliche "Strenge" auf mein jugendliches Alter. In vierzig oder fünfzig Jahren werde ich dann alles viel milder und "nicht mehr so eng" sehen.
abifiz