Lieber Gast,
wir sind den gleichen Weg wir Ihr beide gegangen, mussten ihn gehen.
Mein Mann ist über 4 Jahre hinweg jeden Tag ein klein wenig gestorben. Ich kenne das Auf und Ab der Gefühle. Die Hoffnung, die Enttäuschung, das "stark sein müssen", wo man am liebsten vor Angst verzweifelt wäre. Das Myelom kann ein grausamer Feind sein und das Schicksal ist nicht fair zu uns. Dem Leid eines geliebten Menschen zusehen zu müssen, gehört zu den schwersten Aufgaben, die das Leben uns stellen kann.
Bei aller Trauer und dem in jeder Sekunde meines Lebens spürbaren Verlust zehre ich noch heute davon, dass ich da war, immer für ihn da war, bis er in meinen Armen eingeschlafen ist. Es war nichts mehr unerledigt, ungesagt, ungeklärt, ungefühlt. Meine Liebe zu ihm war so groß, dass ich ihn gehen lassen konnte, um ihn nicht noch länger in diesem unbrauchbar gewordenen Körper gefangen zu halten. Aus meiner Sicht das Größte, was ich je im Leben geleistet habe, das Größte, was wir Menschen am Ende eines Weges füreinander tun können. Und für den, der zurückbleibt, ist es ein Stückchen Trost, wo es eigentlich keinen Trost gibt.
Sorg dafür, dass Deine Frau eine sehr gute Schmerztherapie bekommt und bestens versorgt wird. Wenn das getan ist, sei einfach nur da. Erfülle ihr die kleinen Wünsche, die noch erfüllbar sind und bleib da, auch wenn du meinst,es nicht mehr aushalten zu können. Sei da. Lach mit ihr, wenn sie lachen will. Weine mit ihr, wenn sie weinen will. Sprich oder schweige - schau einfach, was ihr gut tut.
Und wenn die Zeit gekommen ist lass sie in aller Liebe los, lass sie frei, gib ihr Frieden.
Du bist nicht allein in dieser Situation. Ich denke mit tiefem Mitgefühl an Euch beide und wünsche Euch viel Kraft und liebevolle Begleitung
Margret