Hallo Ihr Lieben,
inzwischen bin ich im Alltag mit dem MM angekommen und habe gelernt, dass die Chemotherapie zwar unangenehme Nebenwirkungen hervorbringt, aber auch hervorragend anschlägt.
Ich habe mich gegen die Stammzellentransplantation entschieden, zum einen wegen meines Alters (73) , aber hauptsächlich wegen meiner damals starken Depressionen, die durch die Diagnose und einem heftigen Konflikt mit meinem Sohn mir alle Zuversicht raubte. Der Konflikt mit meinem Sohn hat tatsächlich zu einem Kontaktabbruch mit ihm und seiner Familie geführt. Darunter habe ich sehr gelitten. Aber inzwischen ist auch diese Wunde am Vernarben. Der Psychoonkologe hat mir diesbezüglich sehr gut getan.
Meine Blutwerte haben unter der Chemotherapie mit Daratumumab, Bortezomib, Thalidomid und Dexamethason sehr gut entwickelt. Liegen etwa im Bereich von gesunden Menschen. Es fehlt noch an der Stabilisierung des eigenen Immunsystems (Leukozyten und Lymphozyten könnten mehr sein….)
Es geht mir körperlich und psychisch deutlich besser als am Anfang.
Die letzte Erschütterung hatte ich im Juli, als deutlich wurde, dass meine private Krankenkasse (deckt 30%) nicht mehr bereit war, das teure Daratumumab zu zahlen, obwohl es der Onkologen noch gern zwei weitere Zyklen eingesetzt hätte. Die Beihilfe für ehemalige Beamte (70%) hat auch immer wieder Gründe und Vorschriften, weshalb sie irgendwas nicht erstattet. Dieser zusätzliche Kampf um die Behandlungskosten füllt bei uns schon den zweiten dicken Leitzordner. Den Schriftwechsel hat mein Mann übernommen, ich hätte dazu nicht die Nervenstärke gehabt.
Aber wir kämpfen uns durch und haben uns trotz allem zu mehr positivem Denken hin entwickelt.
Wir haben gelernt, dass es trotz Krebsdiagnose weitergeht und dass es Gründe zur Freude gibt.
Da ist unser Garten, den wir im Sommer jetzt sehr genießen konnten und da sind die Verbesserungen im Alltag, wie längere Phasen, wo ich gar nicht an die Krankheit denke und auch über längere Zeit keine Schmerzen habe.
Die Schmerzmedikation ist ziemlich gut eingestellt, aber ich muss meine Grenzen respektieren.
Eine große Freude ist für mich der Austausch mit Leidensgenossinnen, die mir oft Mut zugesprochen und Ratschläge gegeben haben. Liebe D., dir danke ich ganz besonders.
Insofern kann ich jetzt jeder und jedem mit dieser Schreckensdiagnose ebenfalls Mut machen, denn es gibt Hilfe und Verbesserung des Zustandes, die man sich am Anfang gar nicht vorstellen kann.
Wenn nun auch noch die langwierige Aphte im Mund abheilt, kann die derzeit unterbrochene Chemotherapie mit Bortezomib fortgesetzt werden.
Es grüßt euch herzlich
Sangise