Ich habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen. NAch dem Tod meiner mama am 25.11.2018 (Toten-Sonntag) war ich nicht mehr online. Ich möchte dir meine Erfahrung als Tochter einer MM Patientin schildern. Meine Mama hat nur 3 Jahre nach Diagnose gehabt. Aber sie war bis zum Ende positiv und hat das leben genommen wie es kam auch wenn sie oft angst und schmerzen hatte.
Normalerweise sagen die Ärzte einem nicht direkt, WANN ein Patient stirbt. zum einen weil sie es nicht dürfen - so die Aussage des Arztes. Zum anderen wissen sie es oft selbst nicht genau. Ich hatte Glück und mit dem Onkologen meiner mama im KH die feste abmachung dass er mir sagen muss, wenn er das ende meiner mama nur im geringsten abschätzen kann...
Am Donnerstag vor ihrem Tod rief der Onkologe meiner Mama an und erinnerte mich an unsere Abmachung. Ich war auf Arbeit und dachte ich werde ohnmächtig. Er meine, dass das Ableben meiner Mama kurz bevor stünde und er mir ja versprochen hat, es mir zu sagen, sobald er der meinung ist. Auf meine Nachfrage, wie viel zeit noch bliebe, teilte mir mit,dass meine Mama wohl noch am Wochenende sterben werde. Ich war auf Arbeit und es traf mich wie ein Schlag. Ich hatte sie 5 Tage nicht gesehen weil ich selbst sehr stark erkältet war und sie durch das schwache Immunsystem nicht sehen durfte. Ich fuhr sofort zu ihr zum Onkologen und als ich sie nach 5 Tagen sah, war ich schockiert. Sie sah völlig verändert aus. Ich konnte sehen dass der Arzt nicht log.
Ich blieb von Donnerstag bis Sonntag bei ihr. Eine palliativärztin kümmerte sich zu Hause um sie. Ich kann dir sagen, dass ich anfangs dachte, dass sie sicher noch bis Weihnachten bei uns ist. Ich redete es mir fest ein. Meine Mama nahm diese Nachricht wie gewohnt ernst aber gelassen auf. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie erleichtert ist. Erleichtert vom Hoffen, Bangen,von den Enttäuschungen und den Schmerzen. Meine Mama und ich sprachen über alles tag und nacht. Es ging ihr bis zum Samstag auch relativ gut. Klar - sie bekam starke medikamente aber sie war nicht bettlägerig und ging sogar allein auf ihren WC Stuhl. Bei meiner mama waren am ende auch schon die Organe vom MM befallen (Leber, Milz, Niere etc.). Ich weinte immer mal wieder zwischendurch. Meine Mama weinte gar nicht. Ich war offen und ehrlich. Ich weiß, dass immer gesagt wird, dass man sterbende nicht mit Heulen usw belasten soll. und das stimmt aber ich war ehrlich als ich sagte, dass ich nicht weiß, wie ich ohne sie leben soll. Sie beruhigte mich und meinte, dass ich ja meine Familie hätte und ich beruhigt sein kann, denn meine mama hatte ein wunderschönes Leben und sie sagte noch, dass ich ihr das schönste geschenk ihres lebens gemacht habe, nämlich dass sie oma geworden ist (meine Tochter war damals 2 jahre alt). am samstag verschlimmerte sich ihr zustand. Sie bekam schmerz-spritzen und tabletten. Das ganze ging bis sonntag. Am sonntag konnte ich einfach nicht mehr mitansehen. Es war nicht so dass sie gelitten hat. aber ich habe im herzen gespührt, dass es an der zeit ist, sie gehen zu lassen. Ja - ich habe mir damals gewünscht, dass sie stirbt, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Sie wurde zunehmend unruhig. sie schlief viel und redete.. zwischendurch winkte sie im traum. Es war so als würde sich ihr geist verabschieden. zwischendurch wurde sie wach und redete kurz mit mir aber es wurde immer seltener. gegen 14uhr bekam sie eine spritze gegen die unruhe. Danach schlief sie ganz ruhig. alle waren bei ihr zu hause. mein Mann, mein bruder, mein Stiefvater und ich. Alle bei ihr. Wir hörten ihre lieblingsmusik und ich hielt ihre hand bis zum ende. Sie wurde nicht mehr wach... Gegen 16uhr merkte ich, dass ihr Atem weniger wurde. mein stiefvater und ich hielten ihre hand. Ich flüsterte, dass sie gehen darf und ich alles im griff habe und sie immer lieben werde... dann hörte sie auf zu atmen. Mein Mann fing bitterlich an zu weinen und umarmte sie und meinte, dass er sie immer wie eine eigene mama geliebt hat, danach atmete sie noch 2mal und um 16.19 uhr hörte sie für immer auf. Heute kann ich sagen, meine mama hatte einen schönen tod. sie verblutete nicht - das hätte auch passieren können, weil ihre blutgerinnung immer schlecht war. sie schlief einfach ein. Sie muss an Leberversagen gestorben sein. Denn um meinen Frieden zu finden, rief ich tage später bei der Palliativmedizinerin an und musste es für mich wissen. Sie war derselben meinung.
Sorry für den langen text. Ich möchte dir nur sagen, dass du keine angst davor haben musst. Auch wenn es sehr sehr sehr schwer ist, wirst du erleichtert sein, dass er vorbei ist. Ich tröste mich, dass meine mama erlöst wurde. auch wenn sie mir jede sekunde fehlt und ich noch heute oft weine, bin ich froh dass sie es hinter sich hat. Ich war mit ihr einem Monat vorher noch nach Heidelberg gereist um eine Zweitmeinung zu holen. Dort wurde uns gesagt dass alles bestmöglich abgelaufen ist. Das hat mir zusätzlichen Frieden gegeben. Natürlich ist man über den Verlust traurig. Aber ich habe so so so viel Respekt vor allen Krebspatienten wie tapfer und positiv sie sind. Wie viel sie ertragen. Irgendwann hat jeder von ihnen verdient Frieden zu finden und endlich ohne Schmerzen frei und ein engel zu sein. Denn sie werden immer bei uns sein.
ich weiß, meine Mama ist immer bei mir. meine tochter spricht so oft von ihr, obwohl sie noch so klein ist. sie sagt oft dass oma mit ihr redet. ich glaube fest daran.
Ich rate dir, mache videos oder sprachnotizen.. ich habe mit meiner mama ihre geschichte aufgenommen auf tonband. vom kindesalter bis zum ende. darauf erzählt sie ihre geschichte, ich höre es mir oft an.
Ich hoffe, ich konnte dir helfen...
liebe Grüße
Kica
Letzte Änderung: 06 März 2020 20:36 von Kica. Begründung: Ergänzt