Liebe Kica,
manchmal, wenn das Morphium wirkt, wenn die Schmerzen abfallen oder für eine Weile ganz weg sind, dann entspannen die Patienten und fühlen sich so viel besser, fast als ob ein Genesungsbeginn anfängt. Das wünsche ich deiner Mutter, dass sie sich schon bald schmerzfrei fühlt und du damit auch eine Verschnaufpause bekommst, also ihr beide!
Bei uns ist es auch unklar, so viele Ärzte wechseln sich ab. Man weiß nie, ob sie überhaupt etwas sagen können oder Prognosen erstellen wollen. Hier sind es oft sehr sehr junge Ärzte und Ärztinnen, die man vorher noch nie gesehen hat, obwohl man seit Jahren immer wieder auf der Station ist. Die beiden Oberärzte sind nicht hilfreich. Der eine schweigt auf jedwede Frage, der andere hört einem intensiv zu, bleibt dann unverbindlich und kann letztendlich auch nichts sagen.
Bei meinem Mann haben die Nieren die Arbeit eingestellt. Er hat gestern einen Shaldon in den Hals gesetzt bekommen und war heute das erste Mal zur Dialyse. Für ihn ein Alptraum. Still liegen über Stunden, Totenstille bei den Patienten, die ganzen anderen Infusionen und Transfusionen von heute liegen noch vor ihm und er hängt somit nur noch rund um die Uhr an irgendwelchen Schläuchen. Sein Kreislauf versagt auch und er ist mutlos und depressiv, mag nicht mehr... Ich verstehe ihn, aber man hofft ja immer, dass dieser Entzündungswert durch Antibiotika besiegt wird und die Ärzte im Krankenhaus mit den Krebsmedikamenten fortfahren. Wobei da die Hoffnung auch minimal ist, wenn die Nieren versagen.
Ich weiß momentan auch nicht mehr ein noch aus. Genau wie du bei deiner Mutter bist, bin ich während der ganzen Besuchszeit, also von Vormittag bis Abend, im Krankenhaus bei meinem Mann.
Abends, allein daheim, falle ich in ein schwarzes Loch. Zur Zeit sind auch alle in Urlaub - wobei ich nicht weiß, ob ich jemanden anrufen oder besuchen würde, selbst wenn keiner weggefahren wäre.
Ich wünsche deiner Mutter und dir auch viel Stärke, dass sich für euch alles zum Guten wendet!
Liebe Grüße
Gudrun