Hallo ABo,
man braucht - in Deutschland - keine Überweisung mehr vom Arzt, sondern die "psychologischen Psychotherapeuten" (und nur die, das ist ein geschützter Titel) können direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Die ersten paar Gespräche (ca. 5) zahlt die Kasse ohne nachzufragen. Während dieser Probesitzungen kann man auch den Therapeuten wechseln und sollte das auch tun, falls einem etwas nicht vertrauenswürdig erscheint (Man geht ja auch nicht dreimal zu einem Arzt bei dem man sich schon beim ersten Mal nicht wohl gefühlt hat).
Wenn man mehr Gespräche braucht, muß ein Antrag gestellt werden und man muss "krank" sein, denn sonst ist die Krankenkasse nicht zuständig - Trauer ist keine Krankheit ! - Depression oder Schlafstörung z.B. dagegen schon. Das kann dann der oder die Psychotherapeut/in feststellen und die entsprechende Begründung schreiben. Wenn man dann mehr Stunden bewilligt bekommen hat, kann man den Therapeuten nicht mehr wechseln - das sollte man wissen.
Wenn man nicht "krank genug" ist, damit es die Krankenkasse zahlt, kann man sich auch an eine psychologische Beratungsstelle wenden. Dort läuft die Finanzierung nicht über die KK. In der Regel haben diese Beratungsstellen einen kirchlichen Träger (z.B. Caritas) und werden zum Teil aus Kirchensteuern finanziert. Man muss aber in der Regel etwas dazuzahlen, kann man am Telefon schon fragen, wie das gehandhabt wird. Dort sind meist auch die Wartezeiten nicht ganz so lang wie bei den niedergelassenen Therapeuten. (Auch wenn man selbst in keiner Kirche ist, kann man dort hingehen).
Wenn man ganz dringend ein Gespräch braucht, kann man auch bei der Telefonseelsorge anrufen. Das sind keine Psychologen, aber geschulte Laien, die ein offenes Ohr und Gesprächserfahrung haben, und das kostet gar nichts und ist rund um die Uhr, auch mal nachts möglich.
Du fragst "oder erst noch weiter abwarten? ich hab das gefühl es wird irgendwie schlimmer statt besser. "
Es kann nicht schaden, sich bei einem/r Psychologen/in auf eine Warteliste setzen zu lassen, weil Du dort ja auch warten musst. Also da Du sowieso warten mußt, machst Du nichts falsch, wenn Du auf einer Warteliste abwartest. Wenn Du dann in ein paar Monaten einen Psychotermin bekommst und ihn dann nicht mehr brauchst, ist er schnell abgesagt. Falls es Dir bis dahin nicht besser oder noch schlechter geht, wirst Du dann froh sein, Dich schon jetzt in die Warteschleife begeben zu haben.
Und manchmal ist es schon eine Erleichterung zu wissen, dass man einen Termin bekommen wird. Die Psyche hat sich dann sozusagen schon auf den Weg gemacht und ist froh darüber.
Mit der Entscheidung, ob Du den Termin tatsächlich wahrnimmst oder nicht, kannst Du Dir dann noch ein bißchen Zeit lassen und sehen, wie Du in der Zwischenzeit allein bzw. mit Selbsthilfemaßnahmen (Lesen, Trauerforum, Kerze anzünden, Tagebuch schreiben etc.) zurecht kommst.
Meiner Erfahrung nach kommt die Trauer in Wellen, die einen auch mal in ein tiefes Tal führen, aber irgendwann geht es auch wieder aufwärts. Und langfristig gesehen geben uns die tiefen Täler echten Tiefgang, alles wird tiefer, auch die Dankbarkeit, die Liebe, die Lebensfreude, die Beziehungen, das ganze Innenleben wird reicher, wir werden menschlicher und unsere Tage kostbarer.
Alles Liebe
Karina