Hallo Marion,
Ich kann gut verstehen, dass alle deine Lieben durchdrehen, wenn der Kümmerer nicht mehr richtig funktioniert. Klingt ein wenig hart, aber so wie Magret schon schrieb, bist du wohl die Macherin, die alles regelt. Aber das ist sicher dein Leben, du hast gerne Verantwortung übernommen und alles geregelt.
Wenn man so schwer krank ist, wird Einiges, was das Leben bisher ausmachte in Frage gestellt. So merkst du vielleicht auch, das du viel gibst, aber nicht viel bekommst. Du hast bisher allen geholfen und alle unterstützt und jetzt wenn sie alle für dich da sein sollten, klappt es nicht.
Also, solltest du jetzt klare Grenzen ziehen und deutlich machen, dass du jetzt die Zeit zum "kranksein" brauchst. Und, auch Unterstützung von deinen Angehörigen.
Als ich vor einem Jahr erkrankte, war ich irgendwie froh, dass meine Eltern nicht mehr leben. Ich glaube, es ist für Eltern schwer, wenn
die Kinder so krank sind.
Kinder habe ich nicht, also geht es bei mir um meinen Mann, meine Geschwister und meine Freunde.
Und klar, die leiden auch, immerhin betrifft diese Krankheit die ganze Familie und nicht nur mich. Aber als es mir ganz schlecht ging, habe ich allen gesagt, jetzt kann ich sie nicht trösten, ich bin damit zu beschäftigt zu überleben.
Für mich und meine Krankheitsbewältigung war es immer wichtig, darüber zu reden, auch über Sterben und Loslassen usw. Ich weiß, dass ich meiner Familie häufig viel zugemutet habe. Aber, sie haben es ausgehalten und mitgetragen.
Als ich meine Diagnose bekam und es meinen Geschwistern erzählte, kamen meine Schwester und mein Bruder gerade aus dem Urlaub. Ich entschuldigte mich und meinte, kein guter Zeitpunkt, da weinte meine Schwester und sagte, ich sollte niemals mir Gedanken dazu machen, was ich ihr damit zumute, weil dass was ich jetzt alles ertragen und durchmachen musste, wäre wohl in keinster Weise damit vergleichbar, was sie zu ertragen hätte. Und so hat sie es auch gehalten. Ich hatte noch nie so ein intensiven Kontakt zu meinen Geschwistern und einigen Freunden wie jetzt. Das ist für mich eine große Hilfe.
Ich hoffe, es wird auch so für dich werden. Du solltest versuchen ehrlich und direkt mit deinen Angehörigen sprechen und dann aber auch konsequent sein. Du brauchst alle deine Kraft nur für dich.
Und kannst auch noch Hilfe von deinen Angehörigen gut gebrauchen. Das bedeutet nicht immer etwas tun. Nur da sein und zuhören ( gar nicht so einfach) ist häufig schon grandios.
Ich Wünsche dir eine erfolgreiche und komplikationslose SZT.
Denk an dich, es wird alles gut gehen.
LG
Pirjo