Hallo, Marco,
sleepless in Schduágórd - das kenne ich hier aus Franken auch. Zu Beginn der Erkrankung wegen nächtlichen Grübelphasen, die mich nicht haben durchschlafen lassen. Später wegen Dexamethason.
Die gute Nachricht ist: Die angstbedingte Schlaflosigkeit wird zumeist im Verlauf Krankheitsverarbeitung besser. Irgendwann war ich dann auch zu müde. Die Idee, mal einen Kontakt mit einem Psychoonkologen zu machen, ist sehr sinnvoll, Gespräche sind hilfreich.
Über Schlaflosigkeit, wenn sie denn nicht körperlich bedingt ist, gibt es dann doch einige Erkenntnisse in der psychologischen Forschung. Die Wichtigste ist: Niemals länger im Bett bleiben und grübeln, wenn sich der Schlaf nicht einstellen will. Das führt zu Verknüpfungen Bett-Grübeln, dann wird irgendwann das Bett zum Auslöser der Grübelphasen. Also raus aus dem Bett, ich habe eine 15-Minuten-Regel gehabt und mich dann in in einen Sessel, meinen "Sorgensitz" begeben, in dem das Grübeln erlaubt war. Seltsamerweise bin ich in dem dann häufig problemlos eingepennt, meine Frau hat mir dann morgens mit einem Schmunzeln auf den Lippen wie bei Loriot "Tee und Gebäck" gebracht.
Geholfen hat mir, mich abzulenken, wenn meditative Übungen oder Entspannungstherapien nicht funktionierten. Dafür habe ich meine PS5 und viele, viele DVDs. Auch Bewegung hat mir geholfen. Ich bin, nachdem ich wieder laufen konnte, entweder in unserem Treppenhaus auf und ab oder nachts draußen spazieren gegangen. Versteht sich von selbst, dass unsere Küche in solchen Phasen immer blitzblank ist und die Wäsche weggebügelt.
Was habe ich noch gelernt? Der Körper braucht nicht unbedingt viel Schlaf, um sich zu regenerieren, gut, ein wenig REM und Tiefschlaf sind nicht schlecht. Durchschlafen ist nicht notwendig, das lernt man spätestens, wenn man älter wird und sowieso alle 2-3 Stunden raus muss - die Blase halt. Ansonsten reicht es dem Körper, sich in Ruhe zu befinden, das kann aber auch im wachen Zustand sein. Der Gedanke, sich nicht regenerieren und nicht fit genug für die Arbeit zu sein, wenn man nicht genug schläft, stimmt oft so einfach nicht und kann durch eine erhöhte Selbstbeobachtungsneigung eher durch Stress zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führen. Meine nicht selten rotzfrechen Kinder würden da sagen: Papa, chill mal...
Wie auch immer, ob mit Schlaf oder ohne: A guats Nächtle...
Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)