Hallo Tooper.
Ich kann dich sehr gut verstehen und fühle mit dir mit. Ich bin auch eine Angstpatientin und leider seit mehreren Jahren unter Angstattacken. Bis vor einigen Monaten habe ich mit niemandem darüber geredet und mir auch keine Hilfe geholt. Ich habe mich für meine Ängste geschämt. Aber jetzt habe ich gelernt, dass eine latente Angstdepression ganz viel im Körper und in der Psyche kaputt machen kann und rede mittlerweile mit meiner Familie und mit meinen Ärzten offen darüber. Der Weg war sehr lange, ich habe dafür circa 10 Jahre gebraucht, mir diese Angstdepression zuzugestehen.
Ich verfolge dieses Forum schon länger, habe mich aber nie getraut, mich zu registrieren.
Meine Mutter ist, als ich noch klein war, plötzlich erkrankt und nach wenigen Monaten im Krankenhaus gestorben. Uns Kindern wurde nach ihrem Tod gesagt, sie wäre an einem Herzinfarkt gestorben. Leider habe ich keine Erinnerungen über meine Mutter mehr, obwohl ich damals 13 war. Ich kann mich aber erinnern, dass ich sie fragte, was sie hat und sie sagte, sie wisse selbst nicht. Seit ihrem Tod wurde die Krankheit in meiner Familie totgeschwiegen. Niemand konnte mehr darüber reden, aus Angst, die anderen zu verletzen. Ich habe einen älteren Bruder. Weder mit ihm noch mit unserem Vater oder Großeltern habe ich seither geredet über den Tod meiner Mutter geredet.
Als ich später heiraten wollte und die Sterbeurkunde meiner Mutter gesucht hatte, habe ich einen Brief aus dem Krankenhaus entdeckt. Da stand drin, dass sie an MM gelitten hat. Ich hatte kein Wort darüber verloren und nur im Internet über die Krankheit recherchiert. Mit der Zeit wurde mir deutlich, dass ich an derselben Krankheit irgendwann erkranken könnte, aber das war für mich in Ordnung. Das Leben ging weiter, ich war jung, wollte ein zweites Studium, ich war verliebt und glücklich. Die ersten Angstphasen hatte ich als mein Ehemann sich ein Kind gewünscht hat. In der Zeit hat meine beste Freundin ihre 4 jährige Tochter an Krebs verloren. Ich habe ihm nie die wahren Gründe für meine Angst erzählt und nur mitgeteilt, dass ich mich dazu entschieden habe, kinderlos zu bleiben. Das hat zu vielen Diskussionen und Problemen in der Beziehung geführt. Ein Jahr später hatte mein Ehemann einen Herzinfarkt. Nach der OP und Dauerbehandlung und trotz regelmäßiger Vorsorge einige Jahre später einen zweiten. Unsere Beziehung war immer schlechter, wir bleiben jedoch noch einige Jahre zusammen, er aus Angst und ich aus Mitgefühl. Mittlerweile ist er glücklich und gesund, er hat wieder geheiratet und hat 3 Kinder.
In mir schwingt immer die Angst, ich könnte jederzeit an Krebs erkranken. Jedoch war mir das ziemlich egal. "Jeder muss irgendwann sterben". Ich entschied auch den Ärzten die familiäre Geschichte zu verschweigen, weil ich mir eine eventuelle Therapie sparen wollte.
Nun seit einigen Jahren bin ich auch in einer sehr guten Beziehung. Ich war noch nie so glücklich wie jetzt. Mein Partner wünscht sich eine Familie mit mir und ich habe das Thema so gut es ging vermieden. Ich liebe Kinder sehr und ich wünsche mir mehr denn je eine Familie, habe jedoch Angst, mein Kind könnte krank werden bzw. mein Partner oder ich könnten sterben solang das Kind noch klein ist. Wieder habe ich das auch so nicht angesprochen. Als ich die Pille abgesetzt habe, fingen die richtigen Symptome der Angststörung an. Ich konnte nicht mehr schlafen, habe ständig hingehört, ob mein Partner nachts noch atmet und denke nur noch daran, er könnte jederzeit einen Autounfall haben. Vor einigen Wochen ist meine Chefin, im Alter von 39 Jahren an Leukämie gestorben. Wir hatten eine sehr gute Beziehung seit ca. 10 Jahren und ich kennen ihren kleinen Sohn sehr gut. Ich konnte mich nicht mal von ihr verabschieden, sowie ich mich von meiner Mutter nicht verabschieden konnte. Seit diesem Ereignis ist alles nur noch schlimmer geworden. Das belastet mittlerweile auch meine neue Beziehung und ich habe vor kurzem angefangen, meinem Partner die Wahrheit zu erzählen.
Ich habe Angst vor Schmerz und Tod (vor allem eine geliebte Person zu verlieren) und ich mache mir Sorgen darüber, ob ich an MM erkranken könnte. Ich leide seit ca. 15 Jahren an starken Rückenschmerzen. Deshalb war ich mehrmals bei verschiedenen Orthopäden und Hausärzten. Die haben einige Labor Untersuchungen gemacht, Ultraschallbilder und MRT. Diagnose: Teilprolaps im Lendenbereich. Dagegen hilft nur Sport und Physiotherapie. Natürlich glaube ich die ganze Zeit, dass ich MM habe und warte nur darauf, dass es diagnostiziert wird. Ich erinnere mich, dass Mama sehr starke Nierenschmerzen hatte.
Um mich jetzt endlich vor meiner Angst zu befreien (Ich habe mittlerweile Angst alleine zu bleiben bzw. alleine Auto zu fahren, weil ich glaube, ich könnte jederzeit sterben), entschied ich mich das Thema bei meinem Hausarzt anzusprechen. ich habe Übermorgen den Termin und würde gerne von euch hören, welche Möglichkeiten zur Früherkennung gibt es und ob die Untersuchungen überhaupt beim Hausarzt möglich sind. Ich bin leider gesetzlich versichert, würde aber auch gerne zu einem Spezialisten gehen und privat die Untersuchungen bezahlen, weil ich endlich angstfrei leben möchte.
Es tut mir sehr leid für die lange Nachricht und bedanke mich schon mal für jede Antwort von euch. Ich fühle mich schlecht, weil viele Mietglieder hier ernsthafte Probleme haben und ich komme mit sowas. Aber leider merke ich, dass niemand meine Angst wirklich nachvollziehen kann und ich von allen Seiten belächelt werde, weil ich zu sensibel sei.
Liebe Grüße
Ana