Wichtig für eine lang andauernde Remission ist ja nicht nur die SZT., sondern wie stark das Myelom vor der SZT zurückgedrängt werden konnte. Ich würde auf jeden Fall mit einer potenten Induktion anfangen und ggf. wechseln, wenn die Tumorlast damit nicht erheblich gesenkt werden können. Die SZT beseitigt dann noch die Zellen, die sich besonders aggressiv teilen. Letzlich hängt es auch davon ab, wie die Stammzellensammlung verlief, also den Zustand bei der Sammlung. die Sammlung kann ja auch nicht 100% die Myelomzellen eliminieren, man spricht ja etwa von 1% unerwünschten Zellen, die im Beutel bleiben. Wer also zur Stammzellensammlung schon eine CR erreichte, ist fein raus, weil dann der Restanteil an Myelomzellen nochmal um den Faktor 100 reduziert wird. Bei einer PR sieht es natürlich schlechter aus, da ist die absolute Zahl an malignen Zellen, die in der Stammzellensuppe bleiben, natürlich höher. Eine CR ist ja leider keine Heilung, das mag folgendes Beispiel zeigen:
Man hat etwa 10 Milliarden Stammzellen im Körper. Bei Behandlungsbeginn sind da etwa 30-60% Krebszellen. Bei einer VGPR wird dieser Anteil auf etwa <10% zurückgedrängt, verbleiben aber immer noch rund eine halbe Milliarde Krebszellen im Körper. Bei einer sCR sind es immer noch Millionen von Krebszellen, und bei MRD Negativität iNachweisgrenze 10^⁻6) sind es immer noch bis zu 10000 Krebszellen. Wenn man nun die HD macht, ist man zwar erstmal fast krebsfrei, aber die gesammelten Stammzellen sind nicht krebsfrei, allerdings mind. Faktor 100 unter dem vorherigen Wert. Verbleiben also bei VGPR immer noch Millionen, bei CR einige Tausend und bei MRD neg. etwa 100 Zellen , die wieder in den Körper infundiert werden. Jetzt kommt die Konsolidierung, um diesen Restanteil tief zu halten, das ist dann die "rezidivfreie Zeit", die genaugenommen nicht rezidivfrei ist, aber unter der Nachweisgrenze. Wer nur einige 100 oder 1000 Krebszellen hat, hat bessere Aussichten als derjenige, der noch Millionen an Krebszellen im Körper hat. Das ist der eine Aspekt. Der andere, dass die alkylierenden Substanzen wie Cyclophosphamid und Melphalan besonders schnell wachsende Krebszellen angreifen, langsame Zellteilungen aber nur wenig beeinflussen (die Mittel wirken nur, wenn sich die Zelle gerade teilt , wenn man die HD bekommt). Ein MGUS Patiernt profitiert also weniger wie ein Patient mit aggressivem Verlauf.
Aus diesen beiden Aspekten muss man bzw. der Arzt den goldenen Weg finden, der individuell am günstigsten erscheint. Also die SZT lohnt sich am besten, wenn die Induktion gut verläuft und/oder es sich um einen aggressiven Krankheitsverlauf handelt.
Letzte Änderung: 21 Okt. 2020 06:09 von miregal.