Erstmal Euch allen die allerbesten Wünsche für 2017.
Zu diesem Focus-Beitrag:
Ich schaue mir immer lieber die Original-Texte an als die oft verqueren und verkürzten Umtextungen von Stern, Bunte, Focus, etc. Siehe den Link ganz unten.
Wichtig: Die Forscher an der Kyoto Uni haben sich nur
unheilbare Patienten in palliativer Behandlung angesehen, also Leute mit sowieso schon absehbar geringen Überlebenschancen. Selbst bei diesen schon schwer betroffenen Menschen traf die Vorhersage "wird in 1-3 Monaten sterben" mit diesen Bluttests nur in 75-80% zu. Überlebenszeiten jenseits von 3 Monaten waren noch insignifikanter vorherzusagen.
Ich bin sehr verwundert, dass dies überhaupt veröffentlicht und diskutiert wird. 75-80% ist wenig. Normalerweise kommt in der Wissenschaft alles unter 95% Wahrscheinlichkeit als nicht signifikant in die Tonne.
Mit 20-25% Irrtumswahrscheinlichkeit einem Patienten zu sagen, dass er noch max. 3 Monate lebt, ist ja absurd und weitab von "gewiß". (Aber wie heißt die Focus-Überschrift? --- "Endlich Gewißheit?"---:huh: Tja... soviel zu "Fakten Fakten Fakten")
Und für alle anderen Patienten, die noch nicht unheilbar in palliativer Behandlung sind (also den allerallermeisten von uns hier), heißt das: Die Wissenschaft ist Lichtjahre davon entfernt, eine Überlebenszeit für den einzelnen Patienten vorherzusagen. So möge es bleiben.
Die Forscher hatten übrigens nicht nur den Patientenwunsch im Blick (vielleicht wünscht sich kulturell bedingt der Japaner ja tatsächlich eher als der Mitteleuropäer Auskunfte zum konkreten Zeitpunkt des Ablebens), sondern auch ggf. die Anpassung der restlichen palliativen und medikamentösen Behandlung - auch unter Betrachtung der Kosten (!)...
Sarkastisch gesprochen: wenn die palliative Behandlung dem Bluttest angepasst wird, erreichen die Forscher bestimmt auch bald, dass tatsächlich 95% der Patienten in 1-3 Monaten sterben. Freundlicher gesprochen: Man kann nur mutmaßen, ob es hier nebenbei auch um eine Art humaner Sterbehilfe/-planung für definitiv Todkranke geht, worauf diese Aussage hindeuten könnte: "Patients with advanced cancer and their families have to make decisions about treatment, where to spend the end-of-life, and when to discontinue palliative chemotherapy"
Kurzum: das Forschungs(zwischen)ergebnis ist bisher absolut nichts Erhellendes (allenfalls Diskussionsgrundlage in Fachkreisen zur weiteren Studienoptimierung) und der Focus hat aus Nichts wieder einmal eine Story um der Story Willen gemacht. Ärgerlich.
www.eurekalert.org/pub_releases/2016-12/esfm-rbt121416.php