Hallo Klaus,
das Thema IvIG im frühen MGUS / SMM Stadium wurde hier neulich schon kontrovers diskutiert:
www.myelom.org/forum/therapien/3263-immu...inkur?start=18#32752
Birgith, die das Thema gestartet hatte, und ich hatten das gleiche Interesse wie du: zu erfahren, ob IvIG irgendeinen positiven, negativen oder keinen Einfluß auf die Myelomzellen hat.
Ich fürchte, es gibt darauf derzeit keine Antwort und es meldete sich hier niemand mit konkreter IvIG Erfahrung im MGUS / SMM Stadium. Ich konnte bislang auch keinerlei Studie finden, die konkret die Auswirkungen von IvIG im MGUS / SMM Stadium untersucht hätte.
Fest steht, dass IvIG bei Patienten mit aktivem Myelom durchaus zum Einsatz kommt, um Schutz vor Infekten zu geben. Infekte sind weiterhin die größte Gefahr für Krebspatienten allgemein und somit kann IvIG da Leben retten.
Mir als SMM Patient mit vielen (noch nicht bedrohlichen) Infekten und allen Ig's unter Norm haben zwei Myelom-Spezialisten unabhäbgig voneinander IvIG "sehr" empfohlen. Ich vertraue (=hoffe), dass diese Professoren hinreichende Kompetenz besitzen und mir da keinen Bärendienst erweisen. Ist auch von der Krankenkasse zugelassen, insofern scheinen auch von dort keine negativen Auswirkungen bekannt. Ich habe nun vor gut 2 Wochen mit IvIG begonnen und werde meine Werte parallel im Blick behalten (monatlich). Aber natürlich kann ich jetzt so kurzfristig noch nichts Konkretes dazu sagen, außer dass ich es problemlos vertrage.
Ich wage die These, dass IvIG bei dir hinsichtlich der Polyneuropathie eher überwiegend positive Effekte haben dürfte, im Vergleich zu einem nur hypothetischen Risiko, dass MGUS sich verschlimmern könnte.
IvIG sollte die chronischen Entzündungen herunterregeln und das Immunsystem etwas aus dem Hyperaktivitätsmodus herausbringen.
Evtl. hat IvIG sogar positive Effekte gegen das Myelom. Chronische Entzündungen sind nämlich ein Faktor, der die Entwicklung von Myelom-Zellen befördert. Bei Entzündungen wird der Botenstoff Interleukin-6 ausgeschüttet, der den B-Zell-Lymphozyten signalisiert, sich in Plasmazellen umzuwandeln, um dann mit IG's gegen die Entzündungsauslöser anzugehen. Dabei mutieren viele Zellen per Zufallsprinzip genetisch - das hat die Natur so eingerichtet, um eine Immunantwort gegen immer neuartige Feinde (Bakterien, Viren, Partikel,..) finden zu können (siehe Wikipedia: Affinitätsreifung / Somatische Hypermutation). Leider sind einige Mutationen böse, werden aber normalerweise wieder vernichtet. Bei dauerhaft massiv erhöhter Plasmazellgenese steigt jedoch schon einfach statistisch die Möglichkeit, dass es der bösen Mutationen zu viele werden, die sich dann verselbständigen.
IvIG sollte diesen Mechanismus über die Plasmazellproduktion umgehen und stellt IG's direkt zur Verfügung.
Also, ich denke, bei dir hat es absoluten Vorrang und ist immens wichtig, die Polyneuropathie irgendwie in den Griff zu bekommen, und MGUS ist im Moment das weit weit weit kleinere Problem. Ich würde IvIG an deiner Stelle machen (ich mache es ja selbst schon wegen viel weniger dramatischer Dinge).
ABER: mach es unter regelmäßiger Kontrolle der Blutwerte. Bitte deinen Arzt, dass parallel zumindest anfangs der M-Gradient beobachtet wird - erst mal alle 1-2 Monate, NICHT erst in 6 Monaten. IgG alleine zu betrachten bringt wenig - das wird durch IvIG ja gewünscht hochgefahren - also keinen Schock bekommen, wenn IgG dann noch höher ist. Der M-Gradient ist der böse aussagekräftige Anteil.
Vielleicht konsultierst du auch zuerst noch einen Myelom-Spezialisten zum Thema IvIG - das kann auf keinen Fall schaden.
Deine Unsicherheit verstehe ich sehr gut - ich fühle mich mit dem IvIG ein bisschen wie ein (Selbst-)Versuchskaninchen.
Alles Gute und viel Glück
Gex