Liebe Miinien,
ich kann deine Angst gut nachvollziehen. Wir haben fassungslos erlebt, wie unser bisheriges Leben durch die Diagnose in die Brüche ging und können dich verstehen. Gib deiner Seele ein etwas Zeit, das alles zu verarbeiten - es braucht ein bißchen, bis man wieder einigermaßen festen Boden unter den Füßen hat.
Vielleicht hast du schon etwas im Forum gestöbert - du wirst vielleicht gelesen haben, dass manche Patienten - zumeist die aus Stadium 1 und 2 - viele Jahre ohne oder mit sehr wenig Behandlung bei guter Lebensqualität mit der Krankheit leben können. Du wirst aber auch gelesen haben, dass manche Patienten trotz intensiver medizinischer Bemühungen leider innerhalb weniger Jahre verstorben sind - man kann das nicht wegdiskutieren. Vielfach kann aber noch keine Aussage zur wahrscheinlichen Überlebenszeit getroffen werden, weil die neuen Medikamente und Behandlungsstrategien noch nicht lange genug auf dem Markt sind.
Ich versuche mal, deine Denkweise in eine andere Richtung zu lenken: Ich nehme an, dass du recht gesund bist. Trotzdem: Weisst du, wie viel Zeit dir noch bleibt? Ein Unfall, eine schwere Krankheit... Denken wir darüber nach? Kaum. Und das ist auch gut so. Stell dir vor, wir alle wüssten, wann für uns "die Stunde schlägt" - was für ein Alptraum! Wir wären unfähig, das Leben aktiv zu gestalten und zu geniessen, unfähig, uns zu freuen. Weil wir ständig daran denken müssten, dass es bald vorbei ist. Weil wir wie das Kaninchen auf die Schlange auf den Kalender starren würden, um den Tag "X" angstvoll zu erwarten. So ähnlich ist es, wenn man sich mit den statistischen Überlebenszeiten beim Myelom beschäftigt. Was sind schon Statistiken? Was würde es dir nützen, wenn du wüsstest...? Gar nichts. Dir nicht und deinem Vater auch nicht. Also versuch, diesen Gedanken zu verlassen und dich dem zuzuwenden, was jetzt wichtig ist: Für deinen Vater da zu sei, ihm Mut zu machen.
So wie du die geplante Strategie beschreibst, scheint er medizinisch in guten Händen zu sein. Das ist beruhigend. Dass er immer mal wieder Infektionen bekommen kann - wie auch aktuell - ist bei dieser Erkrankung zu erwarten. Dagegen kann man medizinisch was tun. Natürlich sind Chemotherapien und die autologe Stammzellentransplantation kein Zuckerschlecken. Wenn aber sein Allgemeinzustand bisher recht gut war, wird er nach aller Erfahrung alles gut überstehen und es wird ihm danach besser gehen.
Es ist sehr wichtig, dass die Patienten emotionalen Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis haben. Sei für deinen Vater da, so oft du kannst und so oft er dich braucht. Manchmal hilft es, einfach nur die Hand zu halten, manchmal heult man gemeinsam ein bißchen, manchmal kann man miteinander lachen. Sei einfach da. Es ja immer auch einiges zu organisieren, Papierkram zu erledigen, etc. - auch da kann man als Angehöriger viel helfen. Und lies ihm die Mutmacher hier aus dem Forum vor oder druck ihm die Erfahrungsberichte der Patienten hier aus. Das wird ihm zeigen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. (Und dir auch...)
Liebe Grüße und alles Gute,
Margret