Das muss ich jetzt doch mal erzählen. Ich hatte euch ja schon erzählt, dass die Spenderniere meines Mannes viel von ihrem Leistungsvermögen verloren hat. Und da wie hier vor Ort in Punkto Plasmozytom oder Amyloidose nicht vom Fleck gekommen sind, hatte ich nach Heidelberg den Geistesblitz, mich an das nächstliegende Transplantationszentrum zu wenden.
Dadurch ist endlich Bewegung in die Sache gekommen. Vor zwei Wochen waren wir das erste Mal in der Ambulanz und nun liegt mein Mann schon seit über einer Woche dort im Krankenhaus. Zwei Biopsien haben ergeben, dass es keinerlei Hinweis auf Amyloidose oder Plasmozytom in der Niere gibt. Das ist die gute Nachricht.
Und jetzt kommt die echt Schlechte. Es sind zwei unterschiedliche Abstoßungsformen diagnostiziert worden, die schon seit längerer Zeit im Gang waren und dadurch ist die Niere irreversibel geschädigt. Jetzt wird alles dafür getan, die Niere zumindest in diesem Zustand zu erhalten. Die zelluläre Abstoßung wird mit Cortison behandelt. Die andere Abstoßung ist chronisch und läuft über Antikörper. Durch diese Abstoßungsreaktionen ist es dann auch zu der starken Proteinurie gekommen. Mein Mann bekommt jetzt eine Plasmapherese, um die Antikörper, die die Niere schädigen zu eliminieren. Danach muss er dann Tabletten nehmen, um die die Neubildung auszubremsen.
Ich bin ziemlich traurig, dass ich nicht früher auf die Idee gekommen bin, mit meinem Mann in dieses Transplantationszentrum zu gehen. Womöglich hätte man Anfang des Jahres noch etwas mehr für das Transplantat tun können. Vor allem frage ich mich aber, warum ich überhaupt auf die Idee kommen musste, mich dort hin zu wenden. Ihr habt ja schon mehrmals hier gesagt, dass es nicht nachvollziehbar ist, was ich von dem mittlerweile in den Wind geschossenen Nephrologen berichtet habe. Ich erwische mich mittlerweile hin und wieder bei dem Gedanken, diesen Menschen verklagen zu wollen.
Ein Nephrologe sollte doch eigentlich wissen, dass eine Proteinurie mit gleichzeitigem Kreatininanstieg auch eine Abstoßung bedeuten könnte und die ist dann zunächst ein Mal riskanter, als das Plasmozytom, weil die viel schneller fortschreiten oder chronisch werden kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird. Aber statt uns ins Transplantationszentrum zu schicken, schickt er uns zum Hämatologen. So nach dem Motto, erst wenn alles andere ausgeschlossen ist, mach ich vielleicht einen Finger krumm.
Der Hämatologe hätte die Biopsie aber auch schon Anfang April machen wollen und dann hat er zu uns gesagt, dass der Nephrologe davon nicht begeistert gewesen wäre. Also haben wir auf unseren Termin in Heidelberg gewartet und womöglich wichtige Zeit verloren und der wirklich schlechte Witz ist, dass sich der Nephrologe noch bei mir beschwert hat, dass alles viel zu lange dauert.
Ich habe mittlerweile schon mal meinen Mann daran erinnert, dass er mir versprochen hat, eine Niere von mir von mir anzunehmen, wenn dieses Transplantat kaputt gehen sollte.