Hallo Lothar,
hallo Jule.
Danke, daß Ihr meine Worte nicht als mißgünstig aufgefaßt habt.
Lothar, jede Medikation -- wenn man bis ins hohe Alter weitgehend medikationsfrei leben durfte -- wird wie ein Einbruch ins Intimste erlebt, manchmal regelrecht wie eine eine militärische Fremdbesetzung. Das Autonomie-Empfinden wird geschmälert, regressive Urängste werden zum Teil wachgerüttelt. Dazu kommt noch die zeitgeistige ubiquitäre ( = "überall und jederzeit anwesend und wirksam" ) Ideologie einer klebrigen Dauer-Anverdächtigung der
"Bösen Chemie" aus der
"Bösen Profitgeilen Pharmakonzernerei". Hier ist nun der Zeitgeist einfach geistkrank.
Insoweit "verstehe" ich schon Deine Reaktionen. Und Ähnliches widerfährt mir zur Genüge seit den sechziger Jahren bei Lektüre und bei erstaunlichen Alltagserlebnissen, ist mir also nicht gerade außerirdisch fremd. Jedoch wollte ich es nicht mehr
"verstehen", im Sinne von halbwegs billigen, und auch gar nicht mehr hören, angesichts Deines Leidens.
Zur Sache:
Ein Allgemeinarzt ist für die allgemeine Frage (sorry für das Wortspiel, konnte ich mir nicht verkneifen...) der hohen und hartnäckigen Schmerzen bei Krebs im allgemeinen ganz gemein unzuständig (außer eben bei zusätzlichen spezifischen Sonderausbildungen)! Und für die Frage der Fentanyl-Dosierungen noch mehr! "Wie viel", "wann", "wie", "wovon" gehört in die Hand von Spezialisten; Schmerzärzten, erfahrenen Onkologen und vergleichbarer Fauna.
Manche Schmerzmedikation muß als "Stoßmedikation" in hoher Dosierung und womöglich direkt in die Blutbahn zur manchmal abrupt unabdingbar notwendigen Schmerz-Coupierung verabreicht werden, manch andere bedächtig
einschleichend bis zur späteren notwendigen Hochdosierung, dann wiederum sofort bei Indikation (aber nicht vorher!) genauso bedächtig entschleichend reduziert/abgesetzt werden. Und manche ist lediglich bei Bedarf "einzuwerfen", dann aber in der richtigen Art und zum richtigen Zeitpunkt. Und immer gezielt und kompetent das Gesamte und die Nebenwirkungen im Auge behaltend.
Letztlich kann es im Einzelfall durchaus auch indiziert sein,
stationär die Fein-Einstellungen der Schmerzbehandlung vornehmen zu lassen. Sogar das, also!
Und: Ohne besagte "Schmerzeinstellung" kann man alles vergessen! Dazu hat sich schon Margret geäußert.
Liebe Jules,
50mg Fentanyl sind ganz sicher genug. Sie würden nämlich dazu reichen eine ganze Elefanten-Herde einzuschläfern...
Aber 50µg (und das hast Du wohl gemeint...

) sind immer noch im Falle Deines Vaters eine krasse Unterdosierung. Und ob überhaupt, etc., soll bitte nicht nur der Hausarzt befinden.
Ansonsten: Bitte Geduld, Geduld und nochmal Geduld. Und psychologische Unterstützung und geeignete Alltagsumplanung und das Herausarbeiten verwirklichbarer erfüllender Ziele gehören einfach mit zur Behandlung.
Ich drücke Dir und dem eigenwilligen Papa/Patienten alle denkbaren Daumen.
abifiz